
Forster waren monatelang ohne Strom und Gas / Heute moderne Turbine
Gerda Kubaschk erinnert sich: „Das Bild zeigt die Ruine der Stadtmühle. 1945 waren alle Brücken über den Mühlgraben zerstört. Das war schlimm für die Bürger, besonders aber für uns Kinder. An dem Gebäude der Mühle befand sich jedoch ein Betonpfad, der damals von den Mühlenarbeitern genutzt wurde. Dort konnte man noch den Mühlgraben überqueren. Nach dem Krieg ist die Energieversorgung mit ihren Büros hier eingezogen. Die Mühle selbst wurde dann gleich wieder zur Stromproduktion genutzt. Trotzdem gab es die ersten Monate weder Strom noch Gas. Da mussten wir Kinder die Kerze halten, wenn Mutter das Brot aus dem Holzbackofen zog. Das war sehr heiß, und wir mussten höllisch aufpassen. Auch das Elt-Werk, was nun abgerissen ist, war zerstört und musste erst wieder aufgebaut werden. Nach der Wende wurde in der alten Stadtmühle eine neue Turbine eingebaut und der Mühlgraben vertieft. Ich hatte das Glück, im Haus einmal eine Führung miterleben zu dürfen. Das war sehr interessant.“
Auch Heinz Lüdecke erkannte die Stadtmühle wieder und schreibt: „Ich kann mich noch erinnern, denn ich bin 1947 geboren und habe das Bild noch in Erinnerung. Man konnte über die Brücke am Mühlgraben (Mühlenstraße) gehen und sah rechts von der Kirche kommend eine provisorische Sicherung des Gebäudes aus Holz, ähnlich eines Laubenganges. Das Gebäude wurde dann wieder ausgebaut, und in DDR-Zeiten hatte die damalige Energieversorgung dort ihren Sitz. Man kann heute noch die Antennenanlage für den Funkverkehr auf dem Dach erkennen. Rechts und links neben dem Gebäude wurden damals Garagen errichtet, die der Unterstellung des Fuhrparks der Energieversorgung dienten. Chef war eine geraume Zeit Günter Kunzendorf – ein kompetenter Mann, der sein Handwerk verstand! Links im Bild, wo noch die Fabrik-Ruinen zu sehen sind, stehen die Wohnblöcke Rüdiger Straße der Forster Wohnungsbaugesellschaft mbH. Heute, ein ansehnliches Bauwerk mit neuen Fenstern und gepflegten Umfeld, läuft wieder eine Turbine, die durch die enorme Wasserkraft des Mühlgrabens kontinuierlich Strom erzeugt und ins Netz einspeist. Ermöglicht wird das durch die Anstauung (Oberwasser) und das schnelle Abfliesen (Unterwasser). Aus diesem Grund wurde der Mühlgraben nach der Brücke Mühlenstraße ausgekoffert und wie ein Trog gestaltet. Realisiert hat die Turbine Hans Oppermann, der leider viel zu früh und unverhofft vor einigen Jahren verstorben ist. Sehr schade, denn er hatte noch viele Ideen, die er aber nicht mehr in die Tat umsetzen konnte.“
Dieter Nowotnick mailt seine Lösung: „Der Fotograf stand auf dem Augustplatz. Zu sehen ist die Notbrücke und das Gebäude der Stadtmühle. Hinter der Brücke rechts steht noch die ehemalige HO-Kaufhalle. Die Ruinen wurden abgerissen. Der Weg ist mir als Kind wohl bekannt, gingen wir doch mit meiner Mutter von Eulo mindestens zweimal die Woche nach Berge zu Oma und Opa. Hinter jeder Säule wurde Verstecke gespielt, und auf der Langen Brücke ging es weiter. Hinter jeder Ausbuchtung, wo die Laternen standen, wurde sich versteckt, und so wurde der lange Weg nicht so langweilig.
In einem der vier Häuschen gab es Eis, und die Mutti hatte so immer einen artigen Jungen.“
Dieter Sillack erinnert sich: „Ich habe die Zeit selbst miterlebt, denn ich bin in Berge zur Schule gegangen. Als wir zurückgekommen waren, lagen die Toten noch auf der Straße. Wir haben in der Richtstraße 38 gewohnt.“
Einige geschichtliche Fakten notiert Waldemar Schiemenz: „Johann III. von Biberstein ließ nach seinem Kauf der Herrschaft Forst um 1385 am Mühlgraben vier Mühlen erbauen, um der Stadt wirtschaftlich zu helfen. 1919 ging die Mühle in den städtischen Besitz über, 1920 wurde ein kleines Elt-Werk mit Wasserturbine eingebaut. 1924 erfolgte ein Neubau, der die eingeschossige Mühle um drei Stockwerke überragte. Hier wurde eine Mahlmühle mit einer Leistung von 1 000 Zentner pro Tag eingebaut. Das alte Gebäude wurde Lager. 16 Textilbetriebe erhielten ihren Strom von der Mühle.“
Ausführlich schreibt auch Wolfgang Schenk: „Als Jungs kletterten wir in den Ruinen, bis wir erwischt wurden. Großvater zog mir die Ohren lang. Die Seitengebäude, die mit ihren Laubengängen bis auf den Gehweg der Mühlenstraße reichten, mussten abgerissen werden. Sie entstanden 1920 nach Plänen von Dr. Kühn. Ein kläglicher Rest der Laubengänge ist rechts erkennbar. In den 60er-Jahren gehörte die Mühle zum Arbeitsgebiet der Wasserwirtschaft Spree, zu der auch der Mühlengraben gehörte.“
Vielen Dank an alle Rätselfreunde. Ein historisches Bild im Rahmen gewinnt diesmal Waldemar Schiemenz. Herzlichen Glückwunsch!








Schreibe einen Kommentar