
Die Straße An der Bleiche weckt vielfältige Erinnerungen:
Angelika Tietze erinnert sich gern an einen alten Weg: „Dieses Bild weckt Erinnerungen. Das war mein Schulweg bis 1967. Fast jeden Morgen bekam unsere Mutter einen halben Herzinfarkt, weil mein Bruder und ich beim Aufstehen und Anziehen bummelten. Auf den letzten Drücker ging es dann die Thumstraße lang. An der Pfefferkuchendiele vorbei über den Wilhelm-Pieck-Platz, jetzt Friedrichsplatz, dann über die Poststraße in die Bleiche, wie auf dem Foto zu sehen. Weiter ging es seitlich an der Poliklinik vorbei, wie auf dem Foto teilweise rechts zu erkennen. Danach kam die Baracke des FDGB, dann ging es weiter über die Amtstraße. Manchmal war das erste Läuten der Schulglocke zu hören und wir waren in der Goethe-Schule. Links im Bild die hohe Tür war ein Handwerksbetrieb. Ich glaube ein Waagenbauer. Links daneben mit Geröll verstellt, war ein Durchgang zur Mittelstraße. Über diese Straße berichteten Sie vor einiger Zeit. Der Durchgang war uns als Kinder immer ein bisschen unheimlich. Die Gebäude auf dem Foto links gibt es nicht mehr. Das ist heute Abstellplatz für Autos und ein Textilwarenhandel, ehemals eine Kaufhalle gegenüber der Post. Diese Gebäude wurden wohl nur zu Wohnzwecken genutzt.“
Auch Christa Ackermann hat persönliche Erinnerungen. „Ich möchte etwas zu dem ersten Haus sagen. Das war die Bleiche Nummer 6. Da haben meine Familie und ich seit November 1945 gewohnt. Das große Gebäude war der Waagenbau Schulz und das letzte Gebäude An der Bleiche Ecke Poststraße war der Fahrradhändler Harcke. Der ist später in die Frankfurter Straße gezogen. Auf der anderen Seite an der Bleiche konnte man von hinten in die Poliklinik hineingehen. Ich habe 1954 geheiratet und bin von der Bleiche weggezogen.“ Dagmar Scheib weiß: „Auf dem letzten Bild ist die Bleiche zu sehen, unweit der damaligen Goethe-Schule. Auf der rechten Seite ist ein Teil des Geländes der Poliklinik, heute Ärztehaus zu sehen. Auf der linken Seite im Hintergrund ist ein ehemaliger Fahrrad-Händler. Davor das Backsteingebäude mit der großen Tür, ist die Bleiche 5. Hier hat unser, Vati Detlef Schulz, die Lehre als Waagenbauer angefangen und später dann nach der Übergabe den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. In dieser Werkstatt wurden damals sogar noch über dem Schmiedefeuer Teile für Waagen geschmiedet. Bis zur Neuorientierung des Areals war dort der Firmensitz, später dann in der heutigen Spremberger Straße und in der C.-A.-Groeschke-Straße. Im mittleren Gebäude sieht man Parterre zwei mit Jalousien geschlossene Fenster, daneben ist ein Durchgang, Dieser führte in die Berliner Straße. Wenn man dort hindurch ging, war unweit des Ausgangs auf der linken Seite ein Eisladen, was für uns Kinder sehr wichtig war. Gegenüber war die Post.“
Manfred Schmidt aus Simmersdorf kennt sich hier genau aus: „Zu den Gebäuden: Waagenbauer Schulz war der letzte Besitzer. Er hat beim Vorgänger gelernt. Nach dem Abriss ist er in die Groeschke-Straße gezogen. Ich kannte ihn persönlich. Das Gebäude davor, was an der Poststraße steht, da war Fahrradreparaturwerkstatt Fumfack drin. Später hat es die Dienstleistung mit Meister Dieter Maaß übernommen. Als es abgerissen wurde, ist der Betrieb in die Külzstraße gezogen. Mit ihm bin ich in die Schule gegangen.Gegenüber vom Waagenbau ist die Poliklinik.“
Paul Brodke erinnert sich an seine Lehre. „Auf dem Bild ist meine Ausbildungsfirma zu sehen, Fritz Schikovske Waagenreparatur. Dort habe ich ab 1956 gelernt. Mit einem Kollegen haben wir 1965 die Meisterprüfung gemacht. Einige Waagenteile sind auf dem Bild zu sehen. Zum Betrieb gibt es eine lange Geschichte. Nach meiner Meisterprüfung hat den Betrieb ein Kollege übernommen. Ich selbst habe bis 1976 hier gearbeitet, dann habe ich mich auf dem Gebiet von Feinwaagen für den Laborbereich und Analysewaagen hier in Forst in der Stadtmühle selbstständig gemacht. Mein Aufgabengebiet war ziemlich weiträumig und ich daher sehr viel unterwegs. Die Waagen wurden immer vor Ort geprüft. Nach der Wende musste ich auf elektronische Waagen samt Datenverarbeitung umlernen. Ich musste leider aus gesundheitlichen Gründen Ende des vergangenen Jahres – mit fast 74 Jahren – aufhören. Das kleine Gebäude war die Fahrradreparaturwerkstatt von Darkow im Erdgeschoss und oben die Sattlerei Schwarz. Wo die Waagenteile sind, war ein Durchgang bis zur Berliner Straße, dann ist rechts das Gebäude – das ist ein Garagenkomplex der Poliklinik. Weiter vorn befand sich die Baracke des FDGB und das Arbeitsamt. Geradezu über die Amtstraße war die Goetheschule.“
Gabriele Schäfer schreibt: „An der Bleiche hat meine Oma gewohnt. Dort hab ich sie oft besucht. Meine Mutti hat in der Poliklinik gearbeitet. Im Rücken des Fotografen befand sich eine Wirkerei, Spinnerei Hasen.“
Siegfried Makowski erzählt: „In dem Gebäude mit dem großen runden Torbogen befand sich eine Werkstatt, diese gehörte Waagenbauer Detlef Schulz. Seine Ersatzteile lagerte er vor dem Haus, wie auf dem Bild zu erkennen. Daneben war ein Durchgang (ungefähr Bildmitte). Der Durchgang führte zur Berliner Straße, gegenüber der Post endete dieser. So kam man auf dem schnellsten Weg zur Post und zu den vielen Geschäften in der Berliner Straße. Ging man gleich links um die Ecke, führte eine steile Treppe zu einem sehr beliebten Eisladen. In der Dunkelheit war dieser Durchgang unheimlich, wenn wir diesen durchgingen, wir stolperten über einen sehr ungeraden Untergrund aus Kopfsteinpflaster. Ich habe mit meiner Familie in diesem Haus, ‘An der Bleiche 5 ‘ in den 1960 / 70 Jahren gewohnt. Diese beiden unteren Fenster mit runtergelassenen Jalousien neben dem Tor von Waagenbauer Schulz waren unsere Fenster. Ich habe mich in alten Erinnerungen wiedergefunden und werde dieses Bild in Ehren halten. Ich bin jetzt 76 Jahre alt und hatte bis jetzt kein Foto oder Bild von diesem Ort.
Gewonnen hat Siegfried Makowski. Glückwunsch!
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