Forst: Textil-Schule in guter Erinnerung

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Die Fachschule für Textilindustrie wurde 1891 gegründet und ist jetzt das Oberstufenzentrum

Forster Webschule hat langjährige Geschichte / Gebäude wurde erhalten:
Zum Rätselfoto gut aus kennt sich Wolfgang Schenk aus Forst: „Die Preußische Fachschule für Textilindustrie wurde zwischen Jänicken- und Heinrich-Heine-Straße 1891 gegründet, ein wichtiger Entschluss, bedingt durch die großen Fortschritte bei der Entwicklung der Textilbetriebe in Forst. Fachkräfte wurden dringend benötigt, eine Ausbildungsstätte für die Mitarbeiter der Tuch- und Buckskin-Industrie mit neuester Technik ebenso. Die Preußische Staatsregierung und die Forster Stadtverwaltung trieben die Entwicklung ständig voran. Schon in den Jahren 1908 und 1910 erfuhr die Fachschule eine bedeutende Erweiterung. In einer Tagesschule sowie der Abendschule bildete man Fachkräfte für Spinnerei, Weberei und Färberei sowie für die Mustergestaltung (Dessinateur) aus. Haupt- und nebenberufliche Fachlehrkräfte brachten das Wissen durch Vorträge und Arbeitsgemeinschaften den Lehrlingen näher. 1913 wird die ­Textilfachschule auch ein öffentliches Textilwarenprüfungsamt. Bestehend aus einem mechanisch-technologische Laboratorium sowie einer Konditionierungsanstalt mit einem chemischen Labor. Das Amt führte Prüfungen und Untersuchungen über den Feuchtigkeitsgehalt von Garnen, losen Textilwaren, die Garnnummernbestimmung und die Bestimmung der Reißfestigkeit und Dehnung von Garnen und Geweben durch. Der größte Teil der in Forst ansässigen Fabrikanten, Fabrikdirektoren, Werkführer, Dessinateure, Musterweber und Spinnmeister erhielten in dieser Fachschule ihre Aus- und Weiterbildung. Mein Vater Erwin Schenk hat an der Glaskuppel des Hauptgebäudes als Klempner und Installateur der Firma Luft, zu DDR-Zeiten Technische Gebäudeausrichtung (TGA), mitgearbeitet. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten auch an diesem Gebäude zahlreiche Reparaturen durchgeführt werden. Es entstanden zusätzlich Internatsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Bürgerheimes einer 1908 gebauten Fürsorgestätte. Leider wurde die auf dem Ratebild sichtbare Quell-, Quellbach- sowie Teichgestaltung im Vordergrund nicht erhalten. Heute werden die Gebäude teilweise von der Berufsschule genutzt. Durch die Einzäunung des Fachschulbereiches nach 1945 wurde die Richard-Wagner-Straße unterbrochen. Ein kleiner Teil befindet sich zwischen Webschul-  und Alsenstraße der größere Teil zwischen Heine- und Kirchstraße. Seit 1967 erhielt der Flussbereich Forst der Wasserwirtschaft Spree-Oder-Neiße in der Jänickenstraße 15 ihren Bauhof auf dem ehemaligen Gelände der Firma Ölfrey, gegenüber der Tuchfabrik Karl Schulze, wo auch ich meinen Arbeitsplatz mit den Kollegen der Reparaturbrigaden, dem Werkstattteam sowie der Hausmeisterin Gerda Holdt hatte. Unsere Reparaturbrigaden hatten mit einer Klasse der Textilingenieurschule einen Patenschaftsvertrag. Beide Seiten brachten ihren Vertragspartnern ihren Beruf und ihre Ausbildungszeit näher, wobei auch recht ausführlich über die Entwicklungsgeschichte gesprochen wurde. Heute gehört der Bauhof zum Wasser- und Bodenverband Neiße/Malxe-Tranitz.“
Rosemarie Valten aus Forst verbindet mit dem Rätselfoto ebenfalls noch persönliche Erinnerungen: „Das ist die Preußische Fachschule für Textilindustrie. So hieß sie zuerst, dann war es Fachschule für Textilindustrie, dann die Textil-Schule und jetzt OSZ. Mein Vater, Herbert Pohl, hat seit 1936 und bis 1975 dort gearbeitet. Er hatte Putzer und Spinnmeister gelernt, arbeitete dann als Dozent. 1945 hatte der Bau einen Treffer gehabt und wurde wieder aufgebaut. Wir Kinder waren viel im Stadtpark unterwegs, bevor wir unseren Vater abholten. Leider ist die Quelle versiegt. In der Schule gab es im Keller ein Bad und Waschmaschine, die wir mit nutzen konnten, sonst gab es ja sowas noch nicht. Dr. Hollmann war der Schulleiter in den 30er-Jahren.“
Ebenfalls in guter Erinnerung ist Ludwig Röhrs aus Briesnig das  Gebäude: „Die im Jahr 1983 gegründete Webschule ist ein beeindruckendes Bauswerk mit herrlich hellen Räumen und weiten Fluren. In den zurückliegenden Jahrzehnten gab es mehrere Anbauten. Im Jahr 1979 war ich Mitglied der ersten fast einhundertprozentigen Jungmännerstudiengruppe A70. Bis dahin gab es ja fast nur Frauen als Studierende. So gab es in der Schule durchaus frischen Wind und frisches Blut. Ich erinnere mich an folgende Lehrer: Herr Berrmeiser, Herr Dr. Fobe, Herr Dr. Döcke, Herr Dr. Bensch, Fräulein Aipersbach, die Herren Gall, Ihlow, Gildemeister, Stöckigt, Singer, Willkomm, Biastock, Hahn, Hildebrand, Dokter, Otto, Stefan und Nitschkena. Ganz fleißige Frauen und Männer sorgten immer für Ordnung und Sauberkeit. In der Mensa im Keller konnte man immer seinen Hunger stillen. Für tausende junge Menschen war diese Schule Ausgangspunkt für den Start in das Berufsleben. Am Gebäude auf der rechten Seite gibt es einen Balkon. Dort hielt im Mai 1971 Frau Mubalek eine zündende Rede für uns Männer und warnte lauthals vor den zu erwartenden Folgen unserer Ausfahrt per Rad in den Himmelfahrts-Tag. Das war etwas völlig neues an der Schule. Unter der Führung unseres Klassenlehrers Herrn Woye ist aus uns allen etwas geworden. Regelmäßig treffen wir uns in Forst. Das nächste Treffen ist für die 750-Jahrfeier vorbereitet. Das Gebäude ist für die Textilindustrie, die Stadt Forst und viele Menschen von großem Wert. Es soll lange erhalten bleiben!“
Thomas Methe hat beim Rätselfoto auch den Park im Blick: „Die Anlage dieses Parks geht zurück auf Friedrich August Jänicke. Dieser ist 1794 geboren worden und im Jahr 1861 gestorben. Er war Vorsteher der Schützengilde und angesehenster Kaufmann der Stadt Forst. In unmittelbarer Nähe des Stadtparks befand sich einst das Schützenhaus. Nach jahrelangem Zerfall und Leerstand wurde es im Jahr 2006 abgerissen“. Ein gerahmtes Foto gewonnen, hat Rosemarie Valten. Mehr dazu lesen Sie auch hier.
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