Eins zum Wohnen, eins zum Schlafen / Zwei Standorte für Notunterkünfte für Kriegsflüchtlinge noch gut bekannt
Mit so viel Resonanz hatten wir diesmal nicht gerechnet. Doch die Lösung war schnell gefunden. Bernd Knofe schreibt: „Das waren die Behelfsheime der Flüchtlinge in Guben.“
Eberhard Wittchen schreibt ausführlicher: „Dieses Foto zeigt eine historisch bedeutsame
‘Behelfsheim-Siedlung’ Am Sandberg, Westseite der ‘Grochestraße’ (heute Otto-Thiele-Straße), Einfahrt zum Rosa-Thälmann-Seniorenheim in der Sprucke. Diese Notquartiere wurden in den Kriegsjahren 1943/44, wegen der Zerstörungen durch Fliegerangriffe, in den Großstädten für die ausgebombten Menschen in den weniger gefährdeten provinziellen Gebieten errichtet. Deshalb wurden diese Kriegsopfer sicherheitshalber auch hierher umgesiedelt, gleichsam mit dem Hintergedanken, die Arbeitskräfte in der Rüstungsindustrie der Stadt nutzbar zu machen. Hier in Guben gab es zwei derartige typengleiche Behelfsheim-Siedlungen. Diese am Standort Sprucke und den Komplex Brandenburgische Straße (Karl-Liebknecht-Str.) – Sächsische Straße (Rosa-Luxemburg-Str.) – Saarstraße. Als nach Kriegsende 1945 diese ‘Bombenopfer’ zum Teil wieder in ihre Heimatorte zurück wanderten, nutzten viele Heimatlose diese Notbauten als Unterkünfte. Die Behausungen bestanden aus einem kleinen Wohnzimmer, einer kleinen Küche mit einem Windfang als Korridor. Der Abbruch erfolgte mit Beginn des Neubauprogramms in den Jahren zwischen 1952 bis 57. Vereinzelt wurden diese Objekte später auch noch als Lauben bzw. Unterkünfte an Seegrundstücken weiter genutzt.“
Gerda Schulze meint: „Dieser Weg ist eindeutig der Rübelandweg, aus Richtung Rotdornweg. Nach dem Einfamilienhaus von Familie Sturm begannen die Behelfsheime. In dem ersten wohnte das Ehepaar Münschke – unsere Gartennachbarn. Weiterhin Familie Phillip und dann Familie Schritt mit ihren vielen Kindern. Die hatten zwei Behelfsheime. Links war das Grundstück vom Heilpraktiker Altrichter. Im Hintergrund sieht man die Schwarzkiefern vom Westfriedhof. Eine schöne Erinnerung aus den 50er oder 60er Jahren.“
Eva-Maria Kuchling erinnert sich und erzählt am Telefon: „Ich bin als Kind dort viel herumgestromert. Ich kann mich an frisch angepflanzten Wald erinnern. Flugzeuge haben Staniolstreifen abgeworfen, etwa 1,5 cm breit und einen Meter lang. Wir Kinder haben sie aufgesammelt und zuhause in schmale Streifen geschnitten. Zu Weihnachten dienten sie dann als wunderbares Lametta.
Solche Häuschen standen auch im Rübelandweg. Es waren sehr kleine Häuschen. Wenn man hinein kam, war dort eine extrem kleine Küche. Dann ein Wohn- und Schlafraum in einem. Wegen der Enge wurden extra kleine Tische und Doppelstockbetten gezimmert. Ich fand die Wohnung als Kind ganz gemütlich, obwohl es kalte Wohnungen ohne fließend Wasser waren. Es gab Fensterläden vor den Fenstern. Viele hatten versucht, eine feste Wohnung zu finden. Die Eltern meiner Freundin hatten in einem Bungalow gewohnt und in einem benachbarten Häuschen geschlafen. Der Zwischenraum wurde mit Drähten verbunden, an denen Blumen und Kletterpflanzen, auch Stangenbohnen, gepflanzt wurden. Dadurch entstand eine Art Wandelgang. Wer konnte, hatte sich Kaninchen gehalten. Auch Obstbäume wurden gepflanzt, um die Selbstversorgung zu verbessern. Viele der Bewohner hatten einen Hund, denn in der Zeit wurde viel geklaut. Die Häuschen standen noch zu meiner Schulzeit, und als meine Freundin sich verlobte und nach dem Westen ausreiste, ist die Siedlung aufgelöst worden. Das könnte Mitte der 60er Jahre gewesen sein. Der Rübelandweg hatte aber noch länger existiert. Einige der Häuser wurden danach noch als Gartenlauben genutzt. Erbaut wurden die Häuschen schon vor dem Krieg von der Firma Borsig für die Arbeiter der Kriegsproduktion. Die Produktionsstätte befand sich auf dem Gelände des späteren Chemiefaserwerkes.
Hannelore Rieger tippt zwar auf den Rübelandweg, bestätigt aber: „Viele Leute dort hatten Hühner und Kaninchen. Es gab auch eine Waschküche und einen kleinen Garten.“





