Sonntags über die Wiesen zum Tanz /Buswartehäuschen war Treff für junge Pärchen / Touren-AWO erkannt
Ingrid Gieber löst wie viele weitere Rätselfreunde: „Auf dem Foto ist das kleine Umspannhäuschen mit Buswartehalle in der Altsprucke zu erkennen. Als Bus-Wartehäuschen wurde es seit dem Jahre 1928 genutzt, als die Buslinie Nr. 3 eingerichtet wurde. Die Buslinie führte von der Altsprucke über die Neustadt, Bösitzer Straße zum Ostfriedhof und zurück. Nach dem Krieg verkehrte der Bus von hier nach Groß Breesen. Im Hintergrund rechts ist die Mühlenstraße zu sehen. Das große Haus gehörte dem Landwirt Held, vor 1945 dem Großbauern Dammaschke. Meine Großtante arbeitete zeitweilig bei diesem Bauern. Das Gebäude rechts im Bild war Eigentum des Bauern Georg Hahn. Heute befindet sich dort ein neues Haus.
Die Mühlenstraße führte zum Restaurant ‘Altsprucke’ und zur Sprucker Mühle. Eigentümerin der Gaststätte war Else Hanfland. Die Mühle gehörte früher Erich Stelter, später Richard Klawisch. Heute befindet sich dort das Museum ‘Sprucker Mühle’. Das Lokal ‘Altspru-cke’ war in den 50er Jahren ein beliebtes Tanzlokal. An den Sonnabenden und Sonntagen zogen junge Leute aus der Stadt in Scharen die Mühlenstraße entlang zum Tanz. Nach den Tanzveranstaltungen nutzten junge Pärchen oft die Bank im Buswartehäuschen zum Austausch harmloser Zärtlichkeiten. Für mich sind das Jugenderinnerungen und für viele meines Jahrganges sicher auch.“
Zu den Tanzabenden berichtet Ingrid Wolgast: „Hanfland war immer das Ausflugsziel am Sonntag. Wir sind über die Wiesen gegangen, dort gab es immer Brause und Kekse. Über die Wiesen zu gehen war dann nicht mehr möglich, weil dort später Heizungsrohre verliefen.
Der Motorradfahrer sitzt auf einer MZ, er fährt vermutlich zu den Gärten, dort ist jetzt eine Sporthalle.“
„Endlich mal ein Bild, woran ich auch eigene Erinnerungen habe“, mailt Frank Richter aus Schenkendöbern und schildert: „Täglich sind wir von 1968 bis ‘72 auf dem Weg zum Kindergarten ‘Kopsinchen’ mit dem Fahrrad daran vorbei gefahren. Später, 1973 bis ‘74 ging es dort zum Training zur Schwimmhalle und 1979 bis ‘84 zum Klub Kybernetik von Herrn Schneider in die U-Baracke.
Da der Motorradfahrer keinen Helm trägt, müsste das Foto vor 1976 aufgenommen worden sein. Außerdem trägt er eine Knieschutzdecke. Es könnte eine Touren-AWO sein, demnach Baujahr 1956 bis ‘58, zu sehen am Rücklicht. Ältere Modelle hatten eine ‘Hexennase’, so nannte man damals das geteilte Rücklicht. Die Modelle mit Sozius hatten keinen Gepäckträger. Der wurde dann oft von der RT 125 nachträglich montiert. Solo-Maschinen hatten einen Gepäckträger.
Im Hof des Hauses im Hintergrund, heute Ergotherapie Wellmann, hat meine Sport AWO 1987 bei Herrn Lonzek einen neuen Kabelbaum bekommen.
Der Vater meines Schulfreundes hat auch Erinnerungen an dieses Gebäude. Er wohnte an der Ecke Bethanienstraße und erzählte mir, dass nach dem Krieg dort Munitionsreste weggeschlossen wurden. Die Jugendlichen haben ihn dann heimlich durchs Fenster gehievt, und er gab dann Patronen heraus, aus denen man das Schießpulver holte und zum Knallerbasteln benutzte. Zum Glück ist dabei nichts Schlimmeres passiert.
Das Stromhäuschen ist ja inzwischen weg.“
Bärbel Koschack ergänzt: „Auf dem Foto ist ein Teil der Mühlenstraße zu sehen. Diese zweigt von der Altsprucke ab in Richtung Mühle am Schwarzen Fließ weiter zur Kaltenborner Straße. Dorthin fährt der Motorradfahrer. Das Foto stammt etwa aus den 60er Jahren. Später war diese Durchfahrt rechts an dem Dreieck vorbei nicht mehr möglich. Auf dem Dreieck sieht man das Trafohäuschen für die Altsprucke und das Buswartehaus mit -wendeplatz. Daher entstand dieses Dreieck. Die Mühle ist lange außer Betrieb. 1979/80 konnten die Gebäude gekauft werden und ein Museum errichtet werden. Es wurde am 8.5.1985 zur 750-Jahrfeier des Gubener Stadtrechtes als Stadt- und Kreismuseum mit technischem Denkmal eröffnet.“







