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Im Obergeschoss Bockwurst gegessen / Folge-Nutzung der Häuser am Dreieck gut bekannt / 2005 umgestaltet
„Dieses Foto muss lange Zeit vor meiner Geburt gemacht worden sein“, schreibt uns Jutta Pusch und hat damit völlig Recht. Weiter heißt es: „Ich bin 1946 geboren und kann mich an dieses Bild nicht mehr erinnern. Das ist das Gubener Dreieck, ein beliebter Ort zur damaligen Zeit und heute wieder, wenn das Frühlings- oder Appelfest oder der Weihnachtsmarkt dort stattfinden. Wo die Menschen zu sehen sind, ist die Egelneißebrücke zu sehen. Sie fließt auch heute noch hier entlang.
Auf der linken Seite, hinter den Bäumen, waren die damaligen Kammerlichtspiele und später das Kino-Café. Diese habe ich oft besucht, wenn es der Geldbeutel zugelassen hatte.
Auf der linken Ecke war eine Imbissstube, die es auch ermöglichte, am Sonntag, wenn man etwas vergessen hatten, für die Küche einzukaufen. Da führte auch eine kleine Treppe im Geschäft hinauf, dort konnte man eine Bockwurst, Kaffee und Kuchen zu sich nehmen. Meine Mutter hat das ab und an mal mit mir gemacht.
Geradezu das kleine Haus hatte unterschiedliche Läden im Laufe der Zeit. Von Elektro-Artikel bis Sachen aus zweiter Hand. Im größeren Haus waren ein Friseursalon und Sport Neumann vertreten.
Gegenüber waren Hoffmann Möbel, Krauses Fischgeschäft und ein Zeitungskiosk. Die Häuser geradezu existieren heute nicht mehr. Dort befindet sich ein freier Platz. Auch das Dreieck wurde völlig neu gestaltet.“
Elisabeth Erbe schilderte uns: „Auf der Original-Karte ist auch die Lutherische Kirche zu sehen, die haben Sie sicher bewusste weggelassen. Sonst wäre das Dreieck wohl zu leicht zu erraten gewesen? Ich kann mich noch gut erinnern, dass die Verkehrsführung zu DDR-Zeiten am Dreieck immer recht abenteuerlich war. Wenn wir mit dem Auto oder Fahrrad von der Gasstraße kamen, musste man mitten auf dem Dreieck anhalten, um die Vorfahrt der Fahrzeuge zu gewähren, die aus der Frankfurter Straße kamen. Noch verrückter war die Umfahrung, wenn man von der Berliner in die Frankfurter Straße wollte. Nicht selten fuhren Ortsunkundige an diesem Mini-Kreisel falsch. Einmal wurden wir auch in einen Zusammenstoß verwickelt, der Blechschaden an unserem Lada 1200 war damals ein großer Schock. Ersatzteile waren bekanntlich rar. Glücklicherweise ist damals niemandem etwas passiert. Viel ungefährlicher ist die Schlängelstraße heute aber auch nicht.“
Bärbel Koschack recherchierte für uns und schildert ihre Erinnerungen am Telefon: „Zu sehen ist die Brücke über die Egelneiße, ein Umfluter aus dem Jahre 1449, 1,3 Kilometer lang, wurde im Jahre 1893 als Betonbrücke erbaut. Sie war mit Steinen verkleidet und hatte Säulen mit aufgesetzten Laternen mit schmiedeeiserner Verzierung. Das Dreieck wurde gebildet vom Zusammentreffen der Straßen Gas-, Berliner und Frankfurter Straße. Die Straßennamen änderten sich mehrmals – aber das Dreieck blieb bis zur Umgestaltung. Das Foto entstand um 1905, denn die Wilke-Villa, im Hintergrund links, wurde 1901 erbaut. Das Eckgebäude gehörte damals der Brauerei Kurzan. Das Restaurant ‘Zur Klause’ war in dem Flachbau. Darin befanden sich nach 1945 eine Imbissstube, das Elektrogeschäft Grützmacher und Samen-Teißner. Im Obergeschoss waren Wohnungen. 1914 erbaute Walter Kurzan in Teilen der Brauereiräume durch Umbau die ‘Lichtspiele Gasstraße’, später bekannt als Kammerlichtspiele, ab 1965 Kino-Café. Von 1914 bis 1930 war die Stummfilmzeit. Das große Haus im Bild ist die Nr. 47 der Berliner Straße und gehörte Wilhelm Krägenbring und später der Tochter Edith Tilz. Meine Tante wohnte im Hinterhaus. Das Dreieck war zur Zeit der Aufnahme noch in Dreieckform mit Bäumen bepflanzt. In der Mitte stand die Postsäule. Eine Nachbildung steht heute an der Ecke Poetensteig und Frankfurter Straße. Die Brücke selbst wurde während des 2. Weltkrieges gesprengt und 1950 neu aufgebaut. Zuvor gab es eine Notbrücke aus Holz. Den heutigen Zustand der Brücke, ähnlich im ursprünglichen Aussehen, gibt es seit 2005. Durch den Abriss aller Gebäude auf dem Foto im Jahre 2002 entstand ein völlig neues Stadtbild – die Promenade am Dreieck.“