Schwerer Start für die Kugelbrücke / Schwertransporter Culemeyer rollte als erster über den Brückenneubau
Christian Dulitz tippt auf den Maifeiertag. Er schreibt per E-Mail: „Das Bild zeigt rechts die Zufahrt zur Gubener Wolle Werk 2 an der Kugelbrücke zum Zeitpunkt um den 1. Mai Anfang der fünfziger Jahre. Maibirken und Flaggen am Mast standen zu diesem Zeitpunkt an allen öffentlichen Gebäuden und an den Betriebseingängen. Zu den damals vielfach sichtbaren Ruinen war das ein schöner Kontrast.
Die feierliche Kleidung der Zuschauer am rechten Straßenrand sowie der Mitfahrer auf dem Kettenfahrzeug lassen auf ein wichtiges Ereignis schließen. Wahrscheinlich erfolgte die Übergabe der neuen Egelneißebrücke in der Cyrankiewiczstraße – sprich „Kugelbrücke“. Das weiße Band in der unteren Bildhälfte deutet ebenfalls darauf hin.
Rechts neben dem Führerstand in dunkler Uniform steht sichtbar ein Polizist mit Tschako auf dem Kopf. Ich kann mich gut erinnern, dass damals – nicht nur zum 1. Mai – Polizei mit dunkelblauer Uniform, Tschako auf dem Kopf und Schlagstock am Gürtel auf den Straßen der Stadt allgegenwärtig war.
Das Kettenfahrzeug ist eventuell ein Armeefahrzeug der Russen, darauf deutet das Kennzeichen hin.“

Martin Seiler mailt: „Das müsste die Kugelbrücke in der heutigen Alten Poststraße sein. Ich bin dort als Kind oft entlang geradelt. An meinem 18. Geburtstag bin ich in die leider abgerissene Kneipe direkt an der Brücke zum Bierholen geschickt worden. Der Kneiper fragte mich prompt nach meinem Ausweis. Stolz rieb ich ihm den Blauen unter die Nase. Er lachte und reichte mir die Flaschen über den Tresen.“
Gerhard Gunia schreibt: „Die von der Wehrmacht 1945 zerstörte Kugelbrücke an der Egelneiße wurde am 30. April 1949 als provisorische Holzbrücke eingeweiht. Das Foto dürfte an dem Tage entstanden sein. Im Hintergrund am Torbogen ist die Inschrift der Tuchfabrik „Lehmann & Richter“ zu lesen, heute gehört das Gebäude zum Plastinarium.
Geschichtlich gesehen war es so, dass erst seit 1867 eine hölzerne Brücke die Egelneiße überspannte, vorher gab es hier lediglich einen Steg. Im Jahre 1923 erfolgte ein massiver Neubau in Form einer Balkenbrücke in Eisenbeton und einer Stütz-weite von elf Metern, wie aus einem Beitrag der ‘Gubener Zeitung’ vom 2. März 1930 hervorgeht. Die Kugeln mit einem Meter Durchmesser auf einer würfelförmigen Unterlage sollen wohl ein Symbol sein.“
Diese Angaben fand auch Bärbel Koschack heraus und ergänzt: „Die Holzbrücke genügte den Ansprüchen nicht mehr. Der Culemeyer befuhr diese Brücke, und so kam es zum Neuaufbau im Jahre 1949 als Betonbrücke. Die Einweihung wurde mit diesem Foto festgehalten. Das Fahrzeug, der Culemeyer, weist noch einen schlechten Zustand auf, aber die Menschen sind voller Freude über die Errungenschaft. Der Schwertransporter versorgte in der Alten Poststraße die Hutfabrik und die Gubener Wolle mit Kohle und Rohstoffen. Er fuhr als erster über die neue Brücke. Im Hintergrund erkennen wir die Tuchfabrik Lehmann & Richter, später Werk IV der Gubener Wolle, dessen Eingang mit Maien geschmückt ist.
Die Kugelbrücke hatte vier Betonkugeln an den Ecken, jetzt hat sie nur noch zwei Kugeln und müsste dringend repariert werden.“





