
Betriebshof der Hutfabrik von Carl Gottlob Wilke / Sohn und Enkel folgten’
Der Schriftzug am Haus im Hintergrund hat bei der Lösung geholfen. Bärbel Koschack sammelte folgende Informationen zum Bild zusammen: „Das Foto zeigt den Fabrikhof der Hutfabrik von Carl Gottlob Wilke um 1925. Der Lkw kommt von der Gasstraße auf den Hof gefahren. Man erkennt an den Buchstaben an der Fassade das Gründungsjahr 1822. Gegründet wurde das Unternehmen allerdings in der Königstraße, heute auf Gubiner Seite. Der Umzug in die Gasstraße 5 erfolgte im Jahre 1864. Mehrere Erweiterungsbauten folgten in den Jahren. 1922 waren 1 000 Menschen in der Hutfabrik beschäftigt.
Das Foto zeigt das Verwaltungsgebäude mit Versand. Carl Gottlob Wilke, 1796 in Forst geboren und 1875 in Guben gestorben, hatte den Wollfilzhut erfunden und ihn 1854 verkaufsfähig hergestellt und ausgeliefert. Die Hutfabrik in der Gasstraße wurde 1869 die erste deutsche Wollhutfabrik. Auszeichnungen auf den Weltausstellungen in Paris und Wien folgten. Das Familienunternehmen Wilke-Hutfabrik gab es bis 1945. Die Nachfolger von Carl Gottlob waren Sohn Friedrich und Enkel Max. Danach war es bis zur Wende VEB Hutfabrik. Nach umfangreichen Umbauten wurde 2006 daraus der Sitz der Stadtverwaltung, des Hut- und Industriemuseums, Standesamt, Musikschule und Bibliothek.“
S. Menzel, der Einsender des Bildes, notiert: „Der Hutmacher gehörte damals zum Putzmacher-Handwerk mit eigener Innung. Aus Wolle, Hasen- und Kaninhaar, dazu Wasserdampf und viel Hand- und Maschinenkraft, wurde das Produkt gefertigt. Schon bald war der Slogan ‘Gubener Hüte – weltbekannt durch ihre Güte’ in aller Munde. Heute ist es ein verschwundener Industriezweig. Die Geschichte wird unter Hauben im Hut- und Industriemuseum erklärt.“
Gerhard Gunia schreibt: „Das Foto aus dem Jahre 1928 zeigt das Verwaltungsgebäude und Versand an der Gasstraße, heute Stadtverwaltung. Besitzer war seinerzeit Max Wilke (gest. 1931), Bruder der früh verstorbenen Naemi Wilke. Seine Tochter Elisabet hatte den Tuchfabrikanten Erich Wolf (1886-1958) geheiratet, der die Bauhaus-Villa des Architekten Mies van der Rohe in der Teichbornstraße errichten ließ. Wilke besaß die gleichfalls 1945 zerstörte Villa der Berliner Architekten Wilhelm Spalding und Alfred Grenander, heute städtische Freifläche. Erhalten hat sich das imitierte Torhaus mit den Initialen ‘mw’ = Max Wilke am Giebel, ein kulturelles Kleinod, ausgeschrieben von der Stadtverwaltung für eine künftige Nutzung.“
Zwischen den schnell entstehenden Hutfabriken in der Stadt loderte ein zunehmend erbitterter Wettbewerb. In der Gubener Chronik der Jahre 1936 bis 1940 kann man lesen: „Im Konkurrenzkampf war die Konzernleitung der BGH (Berlin-Gubener Hutfabrik) in all den Jahren recht rührig. Gegen den wirtschaftlich starken, qualitativ überlegenen und weltbekannten ‘Wilkehut’ kam die BGH zwar nicht an, um so brutaler wurde der Kampf gegen die kleineren Hutbetriebe geführt und diese entweder vernichtet oder zur Liierung mit dem BGH-Konzern gezwungen. Bis 1937 hatte die Berlin-Gubener Hutfabrik Aktiengesellschaft, die aus der Gubener Hutfabrik Apelius Cohn (1859) entstanden war, folgende Unternehmungen geschluckt: Hutfabrik Berthold Lißner, Guben (1889), Berlin-Gubener Haarhutfabrik, GmbH, Guben (1907), Union-Fez-Fabrik, AG, Guben (1912), Guben-Rastätter Hutstoffwerke, AG, Maschinenfabrik und Eisengießerei GmbH, Guben (1919), und Gubener Hutfabrik KG, vorm. Steinke & Co., Guben (1938).“ Weiter werden die Auswirkungen auf die Maschinenindustrie geschildert, die den hohen Anforderungen folgte und sich ebenso entwickelte.
In der Gubener Zeitung von 1939 ist zu lesen: „Die Hutindustrie hat an der Entwicklung des ehemals unbekannten Landstädtchens Guben zu einer weltbekannten Industriestadt in erheblichem Umfange beigetragen. So ist es denn nur ein selbstverständlicher Akt der Dankbarkeit gegenüber der alten Gubener Hutmacherfamilien, wenn der Oberbürgermeister der Stadt Guben sich nunmehr entschlossen hat, im Anschluss an das bereits bestehende Stadtmuseum ein Hut- und Hutmachermuseum zu errichten. Guben ist der Entwicklung der deutschen Hutindustrie nach der gegebene Ort für ein derartiges Museum.
Der Grundstock hierfür ist bereits vorhanden, da die Firma C.G. Wilke schon bei der Errichtung des Stadtmuseums in hochherziger Weise eine Sammlung geschichtlich wertvoller Hutmodelle gestiftet hat…“
Vielen Dank allen Ratefreunden. Ein Bild im Rahmen geht diesmal an Bärbel Koschack. Herzlichen Glückwunsch!






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