Lübbenau: Traumhotel im Herzen des Spreewalds

Lübbenau im Spreewald
Sommertourstation in Lübbenau im Spreewald

Frank Irmer aus der Cottbuser Philipp-Melanchthon-Straße hat das Motiv leicht erkannt: „Zu sehen ist das Schloss Lübbenau. Wir schauen aus nördlicher Richtung über den See mit Schlosspark, der im englischen Landschaftsstil ab 1820 nach Plänen von Lennè entstand. Aus einer mittelalterlichen Wasserburg wurde etwa um 1600 ein Schloss im Renaissancestil. Mit dem Erwerb der Familie zu Lynar blieb das Schloss mehr als dreihundert Jahre in Familienbesitz. Die beiden Türme wurden erst 1839 angebaut. Nach dem gescheiterten Hitler Attentat 1944, an dem der Schlossbesitzer, Wilhelm Graf zu Lynar, beteiligt war, wurde dieser hingerichtet und durch die Nazis enteignet. Nach den unterschiedlichsten Nutzungen ( Behelfskrankenhaus, Sanatorium, Rechenzentrum, Schulungszentrum) in der DDR-Zeit, wurde das Schloss nach der Wende der Familie Lynar zurückübereignet. Nach Renovierung und Umbau entstand ab 1992 ein Vier-Sterne-Hotel. Auch die der Einschmelzung entgangene Bronzebüste des Festungsbaumeisters Rochus Graf zu Lynar steht seit März 2003 wieder auf Ihrem alten Sockel. Der Park mit seinen Gebäuden ist immer einen Besuch und Spaziergang wert.“

Manfred Gnida vom Weinberg in Spremberg hat sich dem Thema gründlich zugewandt: „Die Sommertour führt diesmal in den schönen Spreewald nach Lübbenau. Abgebildet ist eine Lithographie von Alexander Duncker vom neuen klassizistischen, um 1820 erbauten Schloss. Seit dem 14.Jahrhundert ist der Ort Lübbenau mit wechselnden Besitzern und zuletzt unter von der Schulenburg in die Geschichte eingegangen. Die verschuldete Schulenburg-Immobilie kaufte 1621 die Witwe des verstorbenen Grafen Joachim Casimir zu Lynar, Elisabeth. An der Stelle des heutigen Schlosses befand sich eine frühgotische Wasserburg, die über Jahrhunderte ständig verändert wurde bis es zum Abriss kam. An dieser Stelle entstand 1817-1820 das heutige Schloss. Es verbindet über 400 Jahre die um 1528 aus der Toscana nach Deutschland gesiedelten Geenerationen der Lynars. Bis 1930 war das Schloss Wohnsitz der Grafen von Lynar und danach erfolgten verschiedene Arten der Nutzung. Die Familie zog in Folge der Weltwirtschaftskrise in dieser Zeit in das Schloss nach Seese (Abbruch für den Kohleabbau in Nähe der heutigen Slawenburg Raddusch). Im Schloss Lübbenau wurde 1931/32 ein Museum eingerichtet. Der II. Weltkrieg verschonte die Familie zu Lynar auch nicht, und das damalige Reichsluftfahrtminesterium beschlagnahmte 1943 Teile des Schlosses und die Museumsexponate wurden verlagert. Nach 1945 diente das Schloss als Behelfskrankenhaus und dann als Kinderkurheim, später Schulungszentrum der HO. Von 1955 bis 1966 diente es als Säuglingsheim mit Entbindungsstation. Im Anschluss seit 1968 stand das Schloss leer und man plante schon um 1970 einen Abriss. Dank neuer Nutzer 1971/72 durch den VEB Rechenbetrieb Binnenhandel wurde es Schulungs- und Ausbildungszentrum der Datenverarbeitung, Auch Apartements für politische Besucher und Gäste des Ministeriums wurden eingeweiht und bis 1990 genutzt. In dieser Zeit stellte die gräfliche Familie einen Antrag zur Rückübertragung des Besitzes. Die erfolgte 1992, Es kam zur Gründung der Hotelbetriebsgesellschaft Schloss Lübbenau, und die ersten Gäste ließen nicht lange warten. 2015 erfolgte noch ein Saalanbau und heute ist hier ein Vier-Sterne-Hotel mit Restaurant ‘LINARI’ für kulinarische Besonderheiten. Seit 2011 wird auch der Schlosspark, welcher in der Zeit von 1945 bis 1990 keiner besonderen Pflege ausgestzt war, umgestaltet sowie das ganze Schlossensemble, wie Orangerie, Marstall usw. harmonisch hergerichtet. Wer den Spreewald besucht und die Landschaft bewundert, sollte einen Besuch des Schlosses und Ensembles in seinen Plan aufnehmen.“

Schlosshotel Lübbenau
Blick durch den Park zum heutigen Schlosshotel Lübbenau im Herzen des Spreewaldes Foto: CGA-Archiv/ Hnr.

Auch Reinhard Semt weiß: „Die Familie der Grafen zu Lynar, der die Schlossanlage seit Jahrhunderten gehörte, wurde wegen Beteiligung am Attentat auf Hitler 1944 von den Nationalsozialisten enteignet und ihr Oberhaupt hingerichtet. Diese Enteignung hatte auch zu DDR-Zeiten Bestand, ermöglichte aber im Gegensatz zu denjenigen Enteignungen, welche die Besatzer nach 1945 durchführten, eine Rückübertragung nach 1990 an die ursprünglichen Eigentümer. Die nutzten die Chance und entwickelten das Schloss inkl. Nebenanlagen zu einer sehenswerten und anerkannten Hotelanlage mit attraktivem Umfeld.“

Klaus Reiter aus Cottbus schließt an: „Wilhelm Graf zu Lynar war am Putsch gegen Hitler beteiligt und wurde 1944 im September in Plötzensee hingerichtet. Nach 1945 war das Schloss Behelfskrankenhaus und Kinderkurheim. Der neun Hektar große Schlosspark wurde zum Park des Volkes. Ab 1970 erfolgte über acht Jahre die Rekonstruktion des Schlosses. 1991 bekam die Familie Lynar das Schloss wieder zurück. Ab 1992 wurde es für zehn Millionen D-Mark zum 4-Sterne-Hotel umgebaut. Die ehemalige Schlossmühle brannte 1943 ab und wurde nicht mehr aufgebaut.“

Ines Krätsch aus der Jahnstraße in Döbern stellt fest: „Die Geschichte des Schlosses wird im Jahrbuch NIEDERLAUSITZ zwanzig-vierundzwanzig beschrieben. Nach 1945 wurde Schloss Lübbenau zunächst als Krankenhaus, dann als Kinderheim genutzt. Ab 1971 befand sich hier ein zentrales Schulungsobjekt des volkseigenen Einzelhandels (HO). In diesem Zusammenhang wurden denkmalpflegerische Arbeiten vorgenommen. Im Jahr 1992 kam es zur Rückübertragung des Schlosses an Christian Graf zu Lynar, dessen Vater als letzter Standesherr wegen Beteiligung am Hitlerattentat vom 20. Juli 1944 hingerichtet wurde. Die Enteignung der Familie erfolgte unverzüglich, also noch vor 1945, so dass der Rückübertragung des Eigentums an die rechtmäßigen Erben nach der deutschen Einheit nichts im Wege stand. Seit drei Jahrzehnten ist das Schloss nun ein Hotel am Rande der historischen Altstadt von Lübbenau.“ Danke allen die schrieben, auch denen hier nicht zitierten.

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