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Pauline Krautz – Mutter der Spreewald-Puppen

Damals war´s | Von | 16. Dezember 2022

Pauline Krautz

Pauline Krautz aus Dahlitz erfand die beliebte Spreewaldpuppe

Viele Lausitzer erinnern sich, dass noch bis zur Wende in Kolkwitz bei Cottbus Spreewaldpuppen hergestellt wurden. Aus einem kleinen Handwerksbetrieb von Elfriede Neumann wurde eine PGH (Produktions-Genossenschaft des Handwerks), später der Zweigbetrieb „Spreewaldpuppe“ des VEB Plasticart Annaberg. 60 000 Puppen verschiedener Größen zogen die Frauen dieses Betriebes an – beliebt als Souvenirs aus Cottbus und dem Spreewald. Heute kommen die Kopien aus Fernost.
Erfunden hat die original wendisch gekleidete Puppe eine Frau aus Dahlitz, einem Kolkwitzer Ortsteil. Pauline Rehnus ist dort am 18. Dezember 1890 geboren. Sie war ein fröhliches wendisches Mädchen, wuchs in Kolkwitz auf und heiratete 1912 den Branitzer Schlosser Reinhold Krautz.
Pauline Krautz beherrschte frühzeitig die Kunst des Trachtenstickens und kam auf die Idee, auch Puppen original wendisch zu kleiden. Sie führte in der Sandower Straße in Cottbus, genau gegenüber dem Fachgeschäft für wendische Trachten Wilhelm Richter, ein Geschäft und schickte Puppen zu Ausstellungen nach Bautzen, Dresden, Saarbrücken und Prag.

Mädchen in Tracht auf einem Gemälde von Otto Piltz

Die Vorbilder der Puppe, Gemälde von Otto Piltz aus dem Jahre 1886.

Doch der tüchtigen Frau war im NS-Deutschland kein Glück beschieden. Als die Nazis ab 1937 daran gingen, wendische und sorbische Begriffe durch deutsche zu ersetzen, kritisierte Pauline Krautz diesen Vorgang in Burg öffentlich. Sie wurde denunziert und kam für zehn Monate ins Cottbuser Gefängnis. Im Haftbefehl war von „heimtückischen Angriffen auf Staat und Partei“ die Rede. Die Frau verkraftete den Druck nicht, der auf sie ausgeübt wurde. Man drohte ihr, als sie im Juli 1939 entlassen wurde, mit Konzentrationslager, falls sie Rechtsmittel bemühen würde. Für ihr Geschäft erhielt sie kein Material mehr. Sie starb am 16. September 1941 in Kolkwitz.
Durch ihre jüngere Schwester Helene Polenz sind 1955 die Erinnerungen an Paulina Krautz an die Öffentlichkeit gekommen. Ihre Schülerin Elfriede Neumann aus Papitz war schon in frühen Jahren mit Paulina verbunden. Sie nahm die Arbeit, die beide begonnen hatten, jetzt als Handwerksberuf wieder auf und gründete das Unternehmen, das sie später in die Genossenschaft einbrachte. Die Produktion in Kolkwitz wurde 1992 eingestellt. Sammler in allen Regionen sind heute auf der Suche nach den Originalen aus Kolkwitz. H.

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