Über die Hängebrücke gingen Schüler in Forst

Das Bauwerk überdauerte kein Jahrzehnt / Die Straße gibt es nicht mehr.

Die Hängebrücke führte in Forst über die Neiße
Die Brücke führte in Forst über die Neiße.

„Hallo MB-Team“, schreibt unser Leser Klaus Reiter aus Cottbus, „sehr schwierig; ich tippe auf Forst.“ Und damit liegt er richtig, was längst nicht allen gelang. Die Aufgabe hatte es in sich, aber mit den Antworten sachkundiger Leser leistet auch diese Folge einen Gewinn für die Heimatgeschichte. Fred Riedel, der uns das Bild schickte, erläutert: „Die Aufnahme entstand vor 1945 von der bergschen Seite nach Forst. Dort in der Neißestraße standen Häuser, die nach ‘45 abgerissen wurden; die Straße gibt es nicht mehr. Die kahle Pappel in der Bildmitte lässt darauf schließen, dass das Foto im Herbst ‘44 oder zeitigen Frühjahr (wohl 1945) entstand.“

Genaues weiß Manfred Gnida aus Spremberg: „Die Überquerung der Neiße befindet sich nicht in Guben oder Groß Gastrose – es ist Forst. Überliefert ist: Bis 1945 gab es an Oder und Lausitzer Neiße 104 Brücken und Stege. 42 sind erhalten oder nach dem Krieg wieder aufgebaut worden, wobei sieben davon derzeit geschlossen sind. 36 liegen in Trümmern, von 26 fehlt jede Spur, acht wurden seit 1945 an anderen Stellen zusätzlich errichtet. Fünf Brücken oder Stege verbanden einst den östlichen Teil von Forst mit dem westlichen Stadtteil Berge, der Forster Neustadt. So die , welche in das Vorwerk Skurum führte, eine 1922 freigegebene Fußgängerbrücke, die geradewegs zum damaligen Finanzamt ging und im Volksmund als ‘Seufzersteg’ benannt wurde. Für den Schienenverkehr war die Eisenbahnbrücke notwendig, und für eine zentrale Verbindung von Forst nach Berge ist die am 17.12.1922 eröffnete Lange Brücke zum damaligen Rathenauplatz mit dem dort stehenden Weberbrunnen ein besonderes Objekt. Als Ersatzbau für die einst in der Nähe befindliche Holzbrücke war die Lange Brücke mit ihren Rundbögen und Symbolen der Tuchmacherkunst sowie Brückenhäusern ein unvergessener Anblick.

Weltfriedenstag 2009: Gedenken von Schülern und Politikern an der Forster Langen Brücke mit der Hoffnung auf den Wiederaufbau.
Weltfriedenstag 2009: Gedenken von Schülern und Politikern an der Forster Langen Brücke mit der Hoffnung auf den Wiederaufbau.

Im Norden von Forst, ungefähr in Höhe des alten Stadtparks, befand sich nur für wenige Jahre ein Steg für Fußgänger und Radfahrer. Als Hängebrücke wurde der Übergang 1927 erbaut und diente besonders zum Schulbesuch der Schule und Turnhalle in Berge. Um den Vormarsch der Roten Armee zu verzögern, sprengte die Wehrmacht die Brücken über die Neiße. Ruinen sind eine stille Mahnung. Zur Hängebrücke ist eine Aufzeichnung in einem Militär-Tagebuch die Sprengung am 25. Februar 1945 aufgeschrieben. Bei Niedrigwasser erinnern Teile der Metallkonstruktion in der Neiße und auf polnischer Seite ein Widerlager an dieses Bauwerk. Den Stadtteil Berge, zunächst mit Namen Barszcz erwähnt, später in Zasieki umbenannt, gibt es in alter Form nicht mehr. Die ehemalige wunderschöne Stadtbebauung wurde abgetragen und das Material soll für den Aufbau von Warschau verwendet worden sein.“

Arno Schulz aus Guben schreibt: „Für mich ist klar, es kann nur eine Brücke in Forst sein. Ich kann auf dem Bild die Brücke nicht genau erkennen, glaube aber es ist die Brücke südlich am Rosengarten, die dort über einen Neißearm (oder Mühlengraben) zu der Insel führt. Guben hat noch immer zwei Eisenbahnbrücken und eine Brücke für den Fahrzeugverkehr, sowie eine Fußgänger/Radfahrerbrücke und etwas außerhalb die neue Brücke bei Schlagsdorf über die Neiße. Auch die im Krieg zerstörten Neißeübergänge passen zu dem abgebildeten Foto. Diese sind aber nicht die gesuchte Brücke. Groß Gastrose war früher mit zwei Brücken für den öffentlichen Verkehr über die Neiße und Mühlengraben zu erreichen. Die Straße führte über die einst bewohnte Mühleninsel. Außerdem ist zur ehemaligen Mühle eine Brücke über den alten Mühlengraben und daneben war eine Brücke, über die die Eisenbahnwaggons mittels Seilzug in die Mühle gezogen wurden. Dann war auf dem Gelände noch eine Brücke über den großen Mühlgraben und ein Laufsteg am Wehr. Keiner dieser Flußübergänge paßt zu der abgebildeten Brücke. Ich hoffe, ich liege mit Forst richtig.“ Herzlichen Dank für das Interesse an diesem Bild.

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