In Spremberg hat ein Bürger es als eine Zumutung bezeichnet, dass in seinem Lebenslauf stehe, er habe sein Abitur im Erwin-Strittmatter-Gymnasium erworben. Ihm könnten, fürchtet er, mit solcherart „belasteten“ Bewerbungsunterlagen Nachteile entstehen. Er mag sich beruhigen: Die Schule trug früher den Namen „Karl Marx“, und aus den meisten Absolventen sind selbst im kapitalistischen Deutschland erfolgreiche und anständige Menschen geworden. Was aber die Geschichte bemerkenswert macht, ist eine gesellschaftliche Krankheit dahinter. Immer mehr Menschen in Ostdeutschland irren verunsichert durch ihre eigene Biografie. Ist es noch „seriös“, in einer Karl-Liebknecht-, Ernst-Thälmann- oder gar Juri-Gagarin-Straße zu wohnen? Kommunistisch vorbelastet?
Unsinn, meinen Sie? Frau Dr. Saskia Ludwig, die Landeschefin der CDU, ist anderer Meinung. Sie hat jetzt die Landesregierung mit einer 23 Punkte umfassenden Anfrage beschäftigt, in deren Kern sie alles löschen möchte, was in öffentlicher Beschilderung noch irgendwie an rote Zeiten erinnert. Und einmal dabei, fragt sie gleich noch nach den Kosten, die die Pflege russischer Kriegsgräber verursacht. Letzteres kann im Unterton nicht einmal christlich genannt werden. Kanzler Kohl, der Ludwigs Partei zugehört, hat seinerzeit unmissverständlich deutlich gemacht, dass den Gefallenen jegliche Würde bewahrt wird.
Und die anderen Namen? Wo sie stören, dürfte das örtlich lösbar sein. Womöglich per Gesetz anzuweisen, wer auf Straßenschilder und Schultüren geprägt werden darf, klingt sehr DDR-lastig. Obwohl das auch da nicht so verbissen gehalten wurde. Jürgen Heinrich





