„Berlin, Berlin, dein Herz kennt keine Mauern“ sangen John F. und die Gropiuslerchen auch den Cottbusern aus der Seele. Immer hat der Puls der Lausitz ein bisschen mit Berlin geschlagen. Spreewald-Ammen aus Schmellwitz und Saspow stillten einst großbürgerliche Kinder, halbstarke Nachkriegsjahrgänge fuhren nach Kreuzberg ins Kino, und sicher kam manch Berliner zum Wochenendausflug bis JotWeDe (janz weit draußen) nach Cottbus.
„Berlin, Berlin, dein Geld ist’s, worauf wir lauern“, trällert im Gedenken an solche fast S-Bahn-Nähe jetzt das Stadtmarketing. Kein schlechter Titel: Fünfeinhalb Millionen Berliner auf der Suche nach mittelstädtischer Cottbus-Idylle…
Nur: Dafür müsste sich die Stadt zu eben solchem Profil bekennen. Mit einem Welttheater und Erstliga-Fußball anzugeben, reicht keinesfalls; das haben die kultur- und sportverwöhnten Hauptstädter selber.
Bevor Werbegeld an BVB-Fenster geklebt wird, sollte klar sein, was das bewirken könnte. Mit hundert oder zweihunderttausend ist da sowieso nichts gemacht. Die versickern in der werbeverrückten Metropole wie Regentröpfchen im heißen märkischen Sommersand.
Was aber ließe Berliner zum Paletot greifen, um hinter den Spreewald nach Cottbus zu fahren, womöglich gar mit demnächst flotter Bahn?
Richtig: mittelstädtische Idylle, eine kuschelgute Einkaufs-Altstadt, Szene mit Hoftheatern, Kaffeehäusern, Kutschbetrieb, Straßenbahn, spreewaldoriginalem Gemüsemarkt – alles preiswerter und schöner als am Ku’damm und unterm Brandenburger Tor. Ja: Sparen wir all diese Vorzüge nicht gerade weg? – Berlin, Berlin, was sind wir zu bedauern… Jürgen Heinrich






