Blechen im Keller

H_kommentar_wpCarl Blechen, berühmter Landschaftsmaler, in der Fachwelt gefeierter Meister des Lichts, Malprofessor in Berlin, gilt als größter Sohn der Stadt Cottbus. Am 29. Juli 1798 ist er in der „Lukischen Gaße“ (heute Berliner Straße) geboren, nahe dem jetzigen „Stadtwächter“. Diese Woche hatte Blechen Geburtstag.
Er hat Cottbus 17-jährig verlassen und kam nie wieder hierher. Vermutlich wusste er, warum.
Abgesehen von der Leidenschaft einiger wahrer Verehrer der Kunst dieses Malers, die es zu allen Zeiten gab und auch heute gibt, hat ihm seine Vaterstadt selten gut getan.
Die Ehe seiner Eltern scheiterte hier, der Vater nahm sich das Leben, das kleine Haus, in dem die Familie lebte, wurde 1935 abgerissen, um dort ein Rathaus zu bauen. Inzwischen hatte OB Paul Werner, einer der Leidenschaftlichen, angefangen Blechen zu sammeln, aber ein Platz, die teuer ersteigerten Werke ständig zu zeigen, fand sich erst 1946 – im Schloss Branitz.
Das war nie eine gute Lösung. Immer waren die Werke nur wie zur Seite gedrängt in kleinen Kammern zu sehen. So wie ja auch die hässlichste Straße der Stadt seinen Namen trägt. Nachdem vergangenes Jahr mal etwas mehr von Blechen gezeigt wurde, weil die Sammlung 100 Jahre bestand, sind die Bilder jetzt ganz verschwunden. Im Keller oder wo immer der Fundus liegen mag. Ein tief beschämender Vorgang! Um Niederlausitzer Adelshäusern zu hofieren, wurde Blechen weggeräumt. Das haben weder die Adligen noch der Maler verdient. Vielleicht ist das endlich Anlass, Blechen nun nicht in Pücklers Kuhstall, sondern würdig in die Kunstsammlung dkw zu bringen. Wohin sonst?

Jürgen Heinrich