Ein hartes Urteil

H_kommentar_wpDiese Woche hat deutsche Justiz die Öffentlichkeit in Erstaunen gesetzt. Sie kann zügig arbeiten und auch ihr Eigentliches tun, nämlich urteilen.
Dreieinhalb Jahre Freiheitsentzug ohne Bewährung für knapp 30 Millionen Euro (oder mehr) geklautes Geld. Ob das viel, wenig oder einfach nur „gerecht“ ist, darüber scheiden sich die Geister. Wirksam ist das Urteil ohnehin noch nicht. Im vermuteten Falle der Revision kann der Vorgang dann doch noch Jahre dauern und der Wurstfabrikant und Bayern-Präsident bleibt auf freiem Fuß. Als „Ehrenmann“ darf er einstweilen aber nicht gelten. Daran ändern auch die großzügigen, steuerlich absetzbaren fünf Millionen Spenden nichts, die Uli Hoeneß dem Gericht zu seiner Entlastung vortrug.
Es entschuldet den Zocker auch nicht die Tatsache, dass der Staat oft genug ebenso verschwenderisch mit Geld hantiert, wie der Fußballstar selbst. Uns Brandenburgern fallen sofort der BER, der Lausitzring und die Zeppelin-Halle Brand ein, wo in Summe Milliarden in den Sand gesetzt wurden. Die Verantwortlichen agierten selbstgefällig abgehoben wie Hoeneß – nur gingen sie, soweit bekannt wurde, vollkommen straffrei aus. Der Fall in Bayern hat ihnen, diesen maßlosen Verschwendern in Staatsdiensten, sogar gewisse Absolution verschafft. Das Argument, Großprojekte gehörten nicht in die öffentliche, sondern in die privatwirtschaftliche Hand, weil dort die Verantwortlichkeit konsequenter funktioniert, zieht nicht mehr. Hoeneß hat dem Ansehen deutschen Unternehmertums sehr geschadet. Er hat gehandelt wie ein Provinzfürst, der Gesetze erlässt, an die er selbst sich nicht halten muss. Sein Tun für den Fußball bleibt trotzdem genial.