
An die französische Revolution haben wir Wendebewegten 1989 kaum gedacht. Statt des Pariser Rufes „Liberté, Égalité, Fraternité! (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) schallte in Leipzig, Berlin und ganz schüchtern auch in Cottbus 200 Jahre später nur: Gleichheit! Die Formulierung dafür war: Wir sind das Volk. Also alle gleich, da oben wie da unten.
Die Franzosen, bei denen sich aktuell gerade wieder viel bewegt, haben Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit 1946 in ihre Verfassung geschrieben. Wir hier nicht. Auch nicht 1990 in die neue brandenburgische. Denn eigentlich hatten wir ja vorgegaukelte Gleichheit durch wahrhaftige ersetzt und dazu die Freiheit genommen.
Diese anstrengende Freiheit, die jedermann in die Pflicht setzt, sich um die eigenen Angelegenheiten selbst zu kümmern. Das haben die Leute hier grandios gepackt. Zu 90 Prozent orientierten sie sich beruflich neu. Selbst wer im Beruf bleiben konnte, musste andere Spielregeln lernen, um besser zu sein. Das erwies sich als Seele der Freiheit: sie macht vor allem Gewinnern Vergnügen.
Freiheit und Gleichheit bleiben ein fatales Paar, wenn nicht die Brüderlichkeit hinzutritt, die wir ganz unfromm Solidarität nennen.
Mal sehen, wie in den nächsten Wochen mit solchen Grundsätzen gehandelt wird. Wieviel Freiheit steht noch in den Wahlprogrammen, die sich Vorstandsreferenten erquält haben, damit sich Kandidaten in den Medienschlachten behaupten können? Oder reduziert sich alles auf Gleichheit, Gleichmacherei gar, weil der Mut zur Freiheit verloren ging in den fetten Jahren des Wachstums?
Wir erinnern uns des Starts der Währungsunion im Juli. Erinnern wir uns auch des Anspruchs von Freiheit?






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