Keine bisherige Befindlichkeits-Umfrage im Lausitzer Handwerk fiel so positiv aus, wie die aktuelle. Besonders das Baugewerbe in all seinen Fachrichtungen frohlockt: die Auftragsbücher sind bis weit in den Februar gefüllt; jetzt müsse nur noch der Winter mild verlaufen, dann würden die Geschäfte richtig brummen.
Bitteschön. Das sei den fleißigen Handwerkern auch gegönnt, denn vor allem sie sind es in unserer strukturschwachen Region, die Arbeitsplätze schaffen und halten, die unsere Söhne und Töchter in spannenden Berufen ausbilden und die nicht zuletzt auch in erstaunlicher Dichte hinter dem munteren Vereinsleben stehen. Man schaue sich nur die Werbebanden auf den Sportplätzen und die Trikots der Nachwuchssportler an. Unterhalb von Fernsehquoten werden Sport, Kultur und vielfach soziales Engagement vom Handwerk und von kleinen und mittelständischen Unternehmen getragen.
Allerdings gehört in den Jubel auch ein gesundes Maß an Selbstkritik. Die Servicelust des Handwerks hat aus Sicht der Kunden merklich nachgelassen. Es gibt oft lange Wartezeiten, nicht immer wird Wort gehalten und im Qualitätsmanagement gibt es große Unterschiede von Haus zu Haus. Was der Kunde sich wünscht, ist Vertrauen in den Begriff Handwerkerehre – von der Friseurleistung bis zum Motor-Check, von der Schornsteinfeger-Rechnung bis zur Mohnstollen-Zutat. Wenn der Laden läuft, ist die beste Zeit, in innere Sicherheit und Image nach außen zu investieren, sagt eine Unternehmensregel. Für das Handwerk heißt das jetzt mehr denn je, die Innungen stärken und den Ruf der Meister festigen. Es kommen auch wieder schwierigere Zeiten. Jürgen Heinrich






