Der Sommer kommt zurück an diesem Wochenende und bleibt wohl ein Weilchen. Wer in diesen Tagen Brandenburg entdecken mag, ob per Rad oder im Auto, sollte Möglichkeiten zur Einkehr rechtzeitig durchdenken und planen oder eben einen Picknickkorb einpacken. Denn um die Gasthäuser im Fontaneland steht es schlecht. Das hat jüngst die Regierungsantwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag bestätigt. In einem guten Jahrzehnt von 2010 bis 2023 ging die Zahl der Restaurants, Gaststuben, Imbisse, Cafés und Eissalons im Land von 4.101 auf 3.697 zurück. Dramatisch ist der Trend zum Teil in Dörfern. Oft hat die einzige Gaststätte im Ort seit Jahren zu, weil die Wirtsleute altersmüde wurden oder schlicht bei ausufernden Kosten und zurückhaltender Kundschaft die Lust verloren haben. Jeder kennt rund um Cottbus genügend traurige Beispiele dafür. In Spree-Neiße ging die Zahl der Wirtschaften in oben genanntem Zeitraum von 227 auf 175 zurück; schlimmer noch: Das Angebot an Restaurants mit klassischer Bedienung hat sich hier um 41,7 Prozent (!) reduziert.
Was das fahrende Volk enttäuscht und verärgert, spüren die Dörfer selbst als Katastrophe. „Jede Dorfgaststätte, die geschlossen werden muss, ist ein herber Schlag für jedes Dorf und die Gemeinschaft“, lautet ein richtiger Satz aus dem Landtagsdialog. Aber bei diesem Mitgefühl bleibt es dann auch. Es gebe Fördermöglichkeiten zum Beispiel für Frauen, Leute mit Migrationshintergrund oder Behinderte, die einen Betrieb übernehmen wollen, erklärte der Wirtschaftsminister. Der hat sein Bier wohl lange nicht auf dem Dorf getrunken, um zu sehen was da zu tun ist, ganz abgesehen von der Bürokratie, die heutzutage Wirte erschlägt. Hilfe ist „von oben“ also nicht zu erwarten, höchstens aus dem Dorf selbst. Es gebe auch Geld aus einer Initiative für Innenstädte, heißt es in der Antwort für die CDU-Fraktion. Das könne auch Dörfer erreichen. Aktuell floss es aber erst einmal in eine Cottbuser Klimakiste statt in einen Gasthof. J.H.
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