Nun hat einjährige Erregtheit vielleicht ihr Ende: Cottbus fährt Straßenbahn, und zwar auf drei starken Linien. Über Details wird immer wieder nachzudenken sein. Das liegt in der Natur der Sache. Nahverkehr ist eine mobile Angelegenheit, und so wie sich Anforderungen durch Bau oder Rückbau, durch veränderte Einkaufs- und Freizeitgewohnheiten oder durch unser Älterwerden neu stellen, muss und will sich die Bahn bewegen. Der Bus sowieso.
Bus und Bahn zusammen ergeben unsere öffentliche Mobilität, ergänzt um Radwegangebote, die uns zu krafterhaltendem eigenen Strampeln herausfordern.
Die Studie zu Linienerweiterungen ist glücklicherweise „im Gleis geblieben“, das heißt, sie hat sich in den Bahnen des Vernünftigen gehalten. Ob das auch auf ihre Kosten zutrifft, wissen wir nicht. Aber eigentlich, und darüber sind sich viele sachliche Beobachter einig, war sie gar nicht nötig. Derart teure Referenzen an scheinbar demokratische Vorgänge zu unterbreiten, ist auch eine Form von Geldverschleudern. Ganz abgesehen von der unnützen Zeit, die versessen wird wegen einer Sache, die eigentlich gar nicht zur Rede steht. Der Wirtschaftsausschuss sollte sich nicht um Dinge kümmern, die ein gut geleiteter Stadtbetrieb selbst erledigen kann. Viel wichtiger wäre sein Engagement für die überfällige Belebung von Gewerbeflächen und Pflege des (noch) wirtschaftenden Bestandes.
Natürlich ist es völlig in Ordnung, dass Bürger für ihre Straßenbahn und andere Hobbys streiten. Aber muss sich daraus in jedem Falle gleich ein Jahresprogramm für Stadtpolitik aufblähen, das alle wichtigeren Aufgaben ins Abstellgleis drückt? JH





