Informieren um zu irritieren

kommentar_m_klinkmuellerEinen Tipp hat die Landtagsabgeordnete Monika Schulz-Höpfner mit Wahlkreis in Guben an alle Leser. Bis zum 2. November kann sich unter www.netzentwicklungsplan.de über die Abschaltung der Atomkraftwerke und den damit verbundenen Netzausbau informiert und diskutiert werden. Wer sich mit dem Klick auf die Netzausbau-Seite ein aufgehendes Licht in der eigenen statt in der vom Aussterben bedrohten glühenden Birne erhofft, wird jedoch enttäuscht. Für die 400 Seiten-Lektüre namens „Netzentwicklungsplan 2012“ braucht der Leser zwei Dinge: Zeit und Fachwissen. Beispielsatz: „Zu unterscheiden ist zwischen fester Längskompensation (Fixed Series Compensation, FSC) und geregelter Längskompensation (z.B. Thyristor Controlled Series Compensation, TCSC).“ Verstanden? Also schnell die Verwirr-Lektüre zugeschlagen und auf „Fragen und Antworten“ geklickt. Hier wird kein fachchinesisch gesprochen. Klipp und unklar wird hier auf die Frage der Netzausbau-Kosten so geantwortet: „Die genauen Kosten lassen sich bisher nur grob schätzen. Die eigentliche Summe hängt im Wesentlichen von den Ergebnissen des Netzentwicklungsplans und den Entwicklungen am internationalen Finanzmarkt ab“. Jetzt verstanden? Den internationalen Finanzmarkt zu verstehen, kann ja nicht zu viel verlangt sein. Obwohl. Doch! Das ist es! Fazit: Wer sich über den Netzausbau irritieren lassen will, ist auf dieser „Informationsseite“ genau richtig. So läuft der Abgeordneten-Tipp, so wichtig und richtig wie er im Kern sein mag, ins Leere. Mein Tipp: Wer die Öffentlichkeit informieren will, sollte so schreiben, dass beim Lesen niemand auf der langen Leitung steht. Mathias Klinkmüller