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Jürgen Heinrich kommentiert: Alltäglicher Friede

Kommentare | Von | 2. August 2019

Überdreht. Unser Alltag ist völlig überdreht. Jegliche magere Nachricht, wenn sie nur einen negativen Kern hat, überrollt uns tosend wie Sommergewitter. Wo ist er geblieben, der alltägliche Friede, den jeder braucht, um ein wenig glücklich zu sein?
Die lärmende Politik der Extremen sei schuld, heißt es. Doch das trifft nur einen Teil; den anderen leisten wir selbst vor Ort in unseren Verwaltungen.
Es genügt das Beispiel eines entlaufenen Hündchens. Der Normalfall war:
Nachfrage in den Tierheimen, die sich in fürsorglichem Eifer gut entwickelt haben. Aus kurzem Kummer wird Freude. Die Tageskosten sind gering, man legt eine Spende ins Kästchen. Die Rechnung für die Zuführung des Hundes kommt nach, nicht gerade billig, aber berechtigt. Dann wird es unfriedlich. Das Cottbuser Tierheim ist gehalten, jeden Fall mit Personalien dem Ordnungsamt zu melden. Denunziantentum alter Ost-Schule. Nach Monaten erhält der Hundehalter per Post den Anhörungsbogen zum Ordnungsverfahren. Die Stadt treibt, nicht nur hierbei, großen personellen Aufwand für schmutziges Geld.
Ganz ähnlich funktionieren die zuhauf aufgestellten 30-km/h-Schilder, die OB Kelch vor seiner Wahl versprach abzuschaffen. Es sind mehr geworden, und die Stadtkasse klingelt. Über eine Million Euro jährlich sind der Preis für das tägliche (und nächtliche) Knabbern am sozialen Frieden.
Es gibt keinen Grund, an Haupteinfalls-Straßen zu einer (fast noch) Großstadt nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzungen aufzubauen – außer kommunale Geldgier. Wer an Straßen wohnt, die womöglich etwas lauter sind, wenn pro Minute ein Auto kommt (mitternächtlich noch weniger), muss sich um eigene Schalldämmung kümmern. Vielleicht bekommt er die gar gefördert.
Wir haben es in der Hand, den alltäglichen Frieden wieder zu finden, statt dem Frust und den Extremen Tag um Tag Nahrung zu geben. J.H.

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