Kommentar: Datenbasiert

Schöner Winter. Sagen Kinder und Menschen mit gesundem Gemüt. Für Deutschlands Wirtschaft hingegen befinden wir uns längst wieder in einer Extremwetterlage. Schnee und Bodenfrost. Wie grässlich! Die Bauarbeiten der Deutschen Bahn zwischen Berlin und Hamburg, die im April abgeschlossen sein sollten, verlängern sich auf unbestimmte Zeit. Weitere Hiobsbotschaften dürften folgen, wenn sie mit KI-Hilfe „datenbasiert, vernetzt und resilient“, den Schlagkräften im Kampf gegen Folgen des Klimawandels, ausformuliert sein werden. Als die Züge, gelenkt von klugem Personal, noch pünktlich und bei jedem Wetter fuhren, ließen sich Kabelgräben auch bei leichtem Frost schaufeln.

Das hat, zugegeben, etwas Mehraufwand erfordert. Solches Geld steht jetzt nicht zur Verfügung, weil die „Notfallvorsorge von morgen“ jede Menge kostet. Allein ins kleine Cottbus hat das Bundesministerium für Verkehr gerade eben drei Millionen Euro gegossen, damit die hiesige Leitstelle und Partner ein Modell zur Modernisierung der deutschen Rettungslandschaft zelebrieren können. Drei Jahre haben Experten geforscht und modelliert und herausgefunden, dass man nicht einfach so feststellen kann, was Sache ist, sondern hübsch „datenbasiert“ und „resilient“ auf Klimakatastrophen, wie etwa den Schnee dieser Woche, einschlagen muss.

Lustig, worauf gut bezahlte Tüftler heute so kommen, um ihren Berichten Gewicht zu geben. Resilienz ist, schlicht formuliert, das Gegenteil von Weichei, und datenbasiert fiel in früherer Sprache unter Redundanz, also Inhaltsleere, denn worauf sonst soll sich ein Ergebnis gründen als auf Daten, die schon vorlagen oder eben gefunden wurden.
Immerhin: Mit Forschungsthemen wie diesem neigt sich unsere schöne deutsche Sprache hin zum KI-kompatiblen Flachvokabular. Aber „datenbasiert“ haben auch die Klassiker gedichtet, nur eben inhaltsreicher. J.H.

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