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Kommentar: Ein weites Feld

Kommentare | Von | 12. November 2021

Sie barg wieder kontrastreiche Geschichtsdaten, diese frühe Novemberwoche. Dass es Donnerstag allenthalben närrisch zuging, bleibt dauerhaft auch im Einfluss des Ereignisses, dessen wir zwei Tage zuvor gedachten: 9. November. Mauerfall. Die Wahnsinnsnacht! Wobei: Üppigen Karneval gab es auch davor schon im Bezirk Cottbus. 45 Vereine präsentierten ihre Garden zwischen Prettin an der Elbe, Schwarzheide an der Elster und Muskau, Forst und Guben an der Neiße. In Cottbus auch drei. Es lag „ein weites Feld“ zwischen den „Kampfplätzen für den Frieden“ an den Werkbänken und dem wüsten Reich der Tollitäten in schäumenden Karnevalsnächten. Wie leicht haben sich hier Ost und West verbrüdert und verschwistert!
Der knurrige Kaschube Günter Grass hat schon vor 25 Jahren einen ersten deutsch-deutschen Roman im Fontane-Gestus versucht und vorausgeahnt, dass es mit dem Alltäglichen etwas dauern könnte, weil sich die „guten Kontakte“ hier wie da lange noch als fest und fies erwiesen, nicht selten bis in den Karneval. Trotzdem haben es die meisten Menschen auch hier in der Lausitz zu Erstaunlichem gebracht in 32 Jahren seit jenem Schabowski-Trick. Wer jetzt in Frührente geht oder ging, hat sein halbes Leben und den weit überwiegenden Teil seines Berufslebens unter anderen Bedingungen verbracht, als das in den Pionierliedern gesungen ward. Fast jeder musste umlernen, viele in völlig neuen Berufen starten, Selbständigkeit wagen oder sich neuen Obrigkeiten andienen. Wer rastlos blieb, hat es dabei nicht nur zu etwas Geld, sondern auch zu einem schönen Stück persönlicher Freiheit gebracht. Die, das haben alle gelernt, kommt ja nicht, weil sie von der Boulevard-Presse verkündet wird, sondern erst dann, wenn zu diesem „weiten Feld“ ein mühseliger Pfad überwunden ist, auf dem der Stolz sich allmählich in die Fähigkeit zu gelassener Toleranz verwandelt. J.H.

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