Was für ein Datum! Auch in diesem Jahr blieb der 9. November, der auf Sonntag fiel, noch ein paar Tage im Gespräch. Historiker beschäftigte dieses Datum aus dem Jahre 1799, als Napoleon der französischen Revolution die Luft nahm, oder von 1848, als mit der Hinrichtung Robert Blums die deutsche bürgerliche Revolution zerschellte. 1918 erschütterte der 9. des Monats als Novemberrevolution das Deutsche Reich, der Kaiser dankte ab und gleich zwei Herren riefen mit unterschiedlichen Ideen die selbe Republik aus, in der vier Jahre später, eben am 9. 11., ein gewisser Hitler in München einen Putsch zelebrierte, was ihm ein Urteil wegen Hochverrats und einige wenige Monate Haft einbrachte. Nochmal 15 Jahre später am 9. November brannten Deutschlands Synagogen und gingen Fenster jüdischer Geschäfte und Wohnungen in Scherben. Wie tragisch alles.
Und dennoch wurde ein 9. November zum Tag – besser: zur Nacht – der Freudentränen. Noch heute fließen sie in Rührung, wenn die 1989er Bilder laufen. Dabei hat die Zeit die Eindrücke verformt. Als Thierse 1990 im Bundestag formulierte, nicht etwa die Politiker (der BRD), sondern seine „mutigen Landsleute“ (aus der DDR) hätten die Einheit ermöglicht, applaudierten alle im Saal: Kohl, Brandt und all die anderen. So konnte bei dieser Sachlage und all der historischen Last des Datums der 9. November nicht zum offiziellen „Tag der deutschen Einheit“ werden, obwohl er’s in den Herzen der Menschen ist.
Es war ein Glückstag und für viele der Anfang eines mühseligen, schönen Weges. Wer in sich geht und das selbst Erlebte bewertet, wird das wohl so sehen. Das andere, das außerhalb von uns selbst Geschehende, konsumieren wir nur als mediales Produkt. Wir sollten es als solches und keinesfalls mehr werten. Ohne Prophet zu sein: Die Nachrichten und Talks werden auch in diesem trüben November weiter äzen. Aber uns geht es gut, oder? J.H.
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