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Kommentar: Katastrophen

Kommentare | Von | 30. Juli 2021

Die Pegel in den westlichen Flutgebieten sinken zum Glück, aber die Schlammschaufeln und die Bundesmilliarden plus Solidaritätsmillionen heben die tiefe Beklemmung nicht auf. Ungeahntes Leid kam über Menschen – nicht weil die Natur toste, sondern weil Menschen nicht mehr wahrhaben wollen, dass Natur zügellos sein kann und auch darf. Die Zivilisation hat sich dem demütig und weise anzupassen. Aufgabenträger im Namen aller ist auch und gerade in dieser Angelegenheit die Politik, die Koordinaten vorzugeben und durchzusetzen hat. Sie versagte einmal mehr und schweigt parteiübergreifend beschämt.
Dass in ersten Reaktionen von noch besseren Automaten und viel mehr Handy-Apps gefaselt wird, macht sprachlos. All diese Technik versagt in Katastrophen zuerst. Menschen, die ohne Akku ihre einzigen Kontakte verloren, leben nicht mehr. Bei Wuppertal hat ein Mönch die Glocke sturmgeläutet; wenigstens er konnte warnen und helfen.
Katastrophen bleiben immer möglich, auch hier in unserem flachen Land. Spree und Neiße sind oft über ihre Ufer gestiegen und können es trotz vieler Dämme wieder tun, Straßen brechen über instabilen Bergbauflächen ein, es können Flugzeuge abstürzen. Wer weiß eigentlich, wie Alarm klingt? Was sagen uns Sirenen, wenn sie überhaupt funktionieren? Und wie ist zu reagieren?
Nichts, oder fast nichts ist für schlimme Fälle bedacht und vorbereitet. Ja, wir haben es auch in der noch immer anhaltenden Pandemie erleben müssen: In Seniorenheimen mussten Menschen sterben, weil ein träges, übermäßig bürokratisches und an vielen Stellen selbstgefälliges System nicht in der Lage war, diese Alten zu schützen. Hilflos war diese Woche unser Ministerpräsident im Landeskanal zu hören und zu sehen: Er hoffe, das es jetzt besser wird. Hoffen dürfen Bürger. Regierende müssen handeln. Alles andere ist eine Katastrophe. J.H.

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