Zwei Männer in der Cottbuser Karl-Liebknecht-Straße vorm Tor der Alvenslebenkaserne. „Wann werden die wieder öffnen?“ Der andere: „Zum Sommertheater? Das ist durch in diesem Jahr.“ „Nö“, sagt der erste, „ich meine das Wehrkreiskommando.“ Er hatte sich vor langen Jahren als Reservist hier seinen NVA-Wehrpass mit hinten eingestecktem Stellungsbefehl abholen müssen. Alte Geschichte. Vergessen!
Diese Woche haben Berliner CDU/CSU und SPD an diesen Türen gerüttelt. Eine Vorstufe der Wehrpflicht gilt als beschlossen. Pistorius (SPD) braucht wenigstens 260.000 Bundeswehrsoldaten; wenn der Kasernenbau schnell geht (Wohnungen haben wir wohl genug), schon bald ein paar mehr, sagt er. Luft nach oben ist ja dann noch. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag, vor fast genau 35 Jahren in Moskau als letztes Meisterwerk der Diplomatie unterschrieben und weiterhin gültig, legt die Obergrenze von 370.000 Mann fürs deutsche Heer fest. Jener Vertrag machte, auch mit dem Einverständnis europäischer Nachbarn, den Weg für die deutsche Einheit frei. Es fühlte sich an, wie in der 2. Strophe der DDR-Hymne: „Laßt das Licht des Friedens scheinen, daß nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint…“
Kommt nun alles anders, weil Merz & Co. sich von Moskau bedroht fühlen? Nichts floriert heute in Deutschland so gut – beängstigend gut – wie das Waffengeschäft. Unglaubliche Mengen Granaten werden täglich gebraucht, sagt Pistorius, um Tod über die Ukraine, Russland und Gaza zu bringen. Und mit großem politischen Bahnhof wurde diese Woche eine neue „Rheinmetall“-Waffenschmiede eröffnet. „Wir wollen mit den Kriegen der Herrschenden nichts zu tun haben“, protestiert ein Kölner Bündnis. Und das denken wohl auch die Männer vor dem Cottbuser Kasernentor, das längst zur Theaterpforte wurde. Es bleibt tatsächlich noch viel Luft nach oben – nicht nur, was die bundesdeutsche Heeresstärke, sondern vor allem, was die Möglichkeiten der Diplomatie betrifft. J.H.
Weitere Kommentare finden Sie hier!







Schreibe einen Kommentar