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Kommentar: Tippen oder schreiben? - Märkischer Bote - Märkischer Bote
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Kommentar: Tippen oder schreiben?

12. April 2019 | Von | Kategorie: Kommentare |

Kommentar: Tippen oder schreiben?

Jürgen Heinrich kommentiert

Sie können’s nicht mehr. Unsere Kinder und teils auch die Jungerwachsenen können nicht mehr schreiben. Ihre Hände verkrampfen sich am Kugelschreiber, vom Füllfederhalter, inzwischen ein Gerät für Bessergestellte, ganz zu schweigen.
Sie wollen’s auch nicht, und das liegt daran, dass ihnen das Schreiben in der Schule gar nicht erst beigebracht wurde. Pädagogische Konzepte blenden heute alles aus, was Anfangmühen bereitet. Eine der wesentlichsten Gründe auch hier in der Lausitz: Die Eltern wollen nicht, dass ihre kleinen Helden in der Schule „drangsaliert“ werden. Es gab jetzt eine repräsentative Umfrage in dieser Angelegenheit. Demnach sind 96 Prozent aller befragten Lehrer unzufrieden mit der Situation. Trotzdem bringen sie den lieben Kinderchen Druckbuchstaben statt Schreibschrift bei. Vermutlich auch, um sich von DDR-Pädagogik zu distanzieren. Vor gut 50 Jahren war hier im Osten eine schnörkellose Schulschrift eingeführt worden. Aber auch die war ohne fleißiges Üben nicht in Hände und Köpfe zu bekommen.
Heute, heißt es, wollen Kinder nur tippen, tasten und touchen; ihr Tag ist digitalisiert und konsumorientiert. Wissenschaftler wissen, dass „Schönschreiben“ mehr als Buchstabenma-
len ist; Kinder finden über Schreibmotorik zu Denkstrukturen. Ihre Persönlichkeit formt sich in intensiven Konzentrationsphasen. Nicht zufällig lassen (oder ließen?) sich aus dem Schriftbild Rückschlüsse auf das Wesen des Schreibenden ziehen.
Gibt es Konzepte gegen das Verkümmern? Wer weiß. Immerhin fließen Bundesmittel, um zu erforschen, ob sich Handschrift in die Welt der digitalen Medien einbauen lässt. Mütter und Väter handeln aber klug, wenn sie nicht darauf warten.




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