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Kommentar: (V)erblühendes Land

Kommentare | Von | 30. September 2022

Der Goldene Herbst schenkt uns letzte Rosen, aber er lässt die schmetterlingsbunte Wollust des Sommers welken. Die blühenden Landschaften vergehen still und stimmen an Regentagen melancholisch. Am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit streichen die Gedanken einmal mehr zurück, bemüht um ein einigermaßen angemessenes Sortieren.
Es war wirklich nicht leicht mit den politisch versprochenen „blühenden Landschaften”, die mit der DM-Mark schnell kommen sollten. Treuhändler stopften sich gutes Geld in die Taschen und bedienten den arglosen Ostler mit mancherlei „Blüten”, falschen Versprechungen, gezinktem Kartenspiel. Aus Großbetrieben wurden Brachen, modernste Maschinen wurden geklaut, die Volkseigentümer zu Zehntausenden auf die Straße gesetzt. Dramatischer ­spielt keine Shakespeare-Tragödie.
Die Zäsur einte Deutschland, aber teilte das Volk mit martialischer Faust. Ja, sie entstanden, die blühenden Landschaften mit wunderbar sanierten Städten, perfekter Infrastruktur, Reisefreiheit und der Freiheit des offenen Wortes. Die Menschen aber blieben zum großen Teil bedrückt, vermissen die Vertrautheit und Wärme ihres Miteinanders auf Augenhöhe, die Übersicht und Einsicht in die Dinge, die sie unmittelbar betreffen. 32 Jahre sind vergangen, und es hat bis heute niemand einen inneren Bezug zu dem oktroyierten Feiertag, der Montag ansteht. Am 3. Oktober 2022 verbringen in einem erblühten Land verblühende Geschöpfe einen glanzlosen Tag. Mag sein, dass der eine oder andere eingeladen wird von seinem Verein oder gar einer Partei, den Tag zu feiern, die alten Schwarz-Weiß-Bilder an die Tafeln zu kritzeln und die Regierung zu preisen, die sich mit einem Rekordtief an Stimmen für die größte hält. Derweil putzen schon allerorten Polizei-Hundertschaften ihre Stiefel und Schilde, um die Massen der Enttäuschten auf den Straßen zu teilen. Ob es wohl je gelingt, nach den Landschaften auch wieder deutsches Gemüt blühen zu lassen? J.H.

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