Öffentlich wurde sie in der Lausitz zuerst 1989 von Demonstranten vor der Cottbuser Stadthalle (wieder) gesungen. Nachdem die „Märkische Heide“ im Berliner Privatsender 100,6 Nacht für Nacht Punkt Null Uhr aus glockenhellen Kehlen der Schöneberger Sängerknaben erscholl, besorgte sich jemand den Text „von drüben“ und verteilte ihn hier auf gelben Zetteln. Die Cottbuser sangen das von der Kassette eingespielte Lied sofort kräftig mit. Einer stimmte voller Inbrunst ohne jeglichen Zettel ein: Hans-Dietrich Genscher. Die Antwort zur verwunderten Frage: „Na, das kenne ich natürlich aus der Hitlerjugend.“
Inzwischen singt jedes Brandenburger Kind das Märkerlied, und selbst der Landtag stimmte es 1990 bei seiner Konstituierung an. Der „Rote Adler“, erdichtet 1923 von Gustav Büchsenschütz, ist die inoffizielle Hymne unseres Bundeslandes, und wo immer die Emotionen hochschlagen – ob beim Energie-Fußball oder bei Vereinsjubiläen, Gartenfesten und selbst familiären Anlässen – immer wieder erschallt: „Heil dir, mein Brandenburger Land!“
Nichts gegen wissenschaftliche Wirkungsuntersuchungen von deutschem Liedgut – aber wir sollten diesem schönen, naiven und doch sehr festlichen Tongefüge seinen Lauf lassen. Aus linken Lagern gibt es gelegentliche Bedenken wegen brauner Mitläuferschaft des „Brandenburg allewege“, von rechts im Gegenteil übermäßige Huldigung fürs „Vaterland die Treue in allen Zeiten fort.“
Beides kann das Lied aushalten. Kein Chor muss es streichen aus seinem Repertoire. Wir sägen ja auch nicht die Eichen ab, die ihr goldenes Laub ohne Schuld auf so manche Uniformfarbe haben fallen lassen. JH






