Der Mai ist gekommen, die Türen gehen auf… Abgewandelt von Emanuel Geibels alter „Burschenlust“ lässt sich so nun schon traditionell frohlocken. Ob die Landesinitiative der zum Schnuppern geöffneten Unternehmen oder auch die vielen anderen lokalen Offerten – es fällt ganz besonders an diesem Wochenende schwer, sich unter den vielen Angeboten für nur einige zu entscheiden.
Wer sich Gäste einlädt, verknüpft meist auch eine Absicht damit. Wenigstens die, dem Eingeladenen näher zu kommen, ihn möglicherweise zu seinen Freunden zu zählen oder über gemeinsam Interessierendes ins Gespräch zu kommen. Unhöflich wäre es, ihn zu locken, um ihm etwas aufzuschwatzen.
Genau so verhält es sich mit dem Tag der offenen Unternehmen und den offenen Schulen, Kulturstätten oder Vereinshäusern. Wir können davon ausgehen, dass uns niemand Rheumadecken andrehen oder einen Stromvertrag unterjubeln will.
Die Absicht liegt ganz nachvollziehbar darin, Verständnis und Interesse zu wecken für unternehmerisches Tun. Weil das dem gutnachbarschaftlichen Klima nützt und weil dabei erklärbar wird, was sonst mit vielen Texten, Faltblättern, Anzeigen und Spots eben nur andeutbar bleibt: So tickt unsere Firma, das leisten wir, das haben wir geleistet, darauf sind wir stolz. Und, ausgesprochen oder nicht, klingt dann immer mit: Wer zu uns passt, den nehmen wir gerne auf in unseren Bund.
Es muss ja nicht immer gleich burschenschaftlich enden wie bei Geibel, der sein Lied genau vor 170 Jahren verfasste und in Strophe vier singt: Und abends im Städtelein, Da kehr’ ich durstig ein… Aber warum eigentlich auch nicht? Jürgen Heinrich