In Cottbus hat sich ein Verein „Pro Lausitzer Braunkohle“ gegründet. An die Öffentlichkeit trat er mit Köpfen, die ohnehin täglich die Zeitungsspalten schmücken: OB Szymanski, Landrat Altekrüger, Sprembergs Bürgermeister Schulze, IHK-Hauptgeschäftsführer Krüger, Handwerker-Präsident Dreißig. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsdirektor Rupieper, hält sich im Hintergrund. Sie alle treten in diesem Verein sozusagen neben sich. Nicht als Amtspersonen, sondern privat sind sie im Verein. Sie wollen der Braunkohle gegen alle Umweltkämpfer eine Befürworter-Stimme geben. Ein Plebiszit von oben organisieren.
Ob das funktioniert? Sie, die Verantwortung tragen, die mit dem Vertrauen von Wählern satt ausgestattet sind, um die Wirtschaft und damit auch den Braunkohlenzug im Rollen zu halten, suchen Öffentlichkeit. Verwechseln die da nicht etwas? Wollen die Herren gegen sich selbst rebellieren? Sie mit ihren Parteien und Verbänden und Kammern haben doch das Ruder in der Hand. Warum steuern sie denn nicht?
Plebiszite – Stuttgart hat das, trotz Niederlage, mit viel öffentlicher Aufmerksamkeit vorgeführt – sind Stimmerhebungen des Volkes nach altem römischen Stil. Die Basis meldet sich zu Wort und findet kraft ihrer Vielzahl Gehör. Wenn ein Verein „Pro Lausitzer Braunkohle“ solche Beachtung wünscht, geht das kaum von oben her. In den Sesseln der Satten herrscht Behäbigkeit, nicht die ungestüme Leidenschaft der Straße. Wenn es anders wäre, hätten die Pro Braunköhler bei der Barbarafeier nicht emsig dem Wein und Canapés zugesprochen, sondern sich an den Eingang gestellt, und gleich hier tausend Aufnahmeanträge verteilt. Jürgen Heinrich






