Da haben wir’s: Diese Fremdheit wie in jedem Jahr. Du gehst durch die Straßen, die du kennst und die du magst und in denen du diesen triffst und jenen und manchen, den du lieber nicht träfest. Genau dem aber begegnest du jetzt, diesem Stiesel, und alle anderen – wo sind die?
Sommer in der Stadt. Es hat mal einer weiter gesungen: „…ich hab es so satt!“ Kein Wunder. Was hat eine Stadt noch, jedenfalls die eigene, wenn die Menschen nicht da sind, wo sie hin gehören. Auf der Bank am Brunnen, wo sich immer die pensionierten Lehrer und Stadtbediensteten treffen, am Wurststand, wo der Mann von der Post immer zwei Brötchen nimmt, und beim Blumenhändler drüben, wo es ohne Zeitung immer die verlässlichsten Neuigkeiten gibt. Wo sind die jetzt alle?
Im Urlaub natürlich. Irgendwo.
Ja richtig. Aber wenn die von uns alle irgendwo anders sind, dann müssten doch von denen von woanders eine Menge hier bei uns sein. Zum Ausgleich.
Sind aber nicht. Und das macht uns hoffentlich nachdenklich im Sommer in der Stadt. Wieso reisen immer weitaus mehr Menschen aus als einreisen. Sie fahren ja nicht restlos an die Nobelstrände von Kühlungsborn, nach Baden Baden und oder in feine Kurhotels an der Zugspitze. Nein, sie sind, hört man, in Mecklenburg, in Niedersachsen, in Mittweida.
Was haben solche Gegenden, was wir nicht haben. Drückt sie nicht dieser heiße Sommer in der Stadt?
Doch natürlich, drückt, zieht und peinigt. Aber sie sind uns um die eine oder andere Idee voraus. Um Ferienideen. Während unsere Landsleute sich alle verflüchtigen, verdient man dort. Unser Geld. Im Sommer! J.H.





