Universitärer Theaterdonner

kommentar_j_heinrich_thumb_thumbNirgends werden Dinge so heiß gegessen, wie sie gekocht – oder zu Pfingsten gegrillt – werden. Auch im Falle Hochschulstreit nicht. Die Positionen liegen – lässt man alle Pfauenräder unbeachtet – erstaunlich nahe beieinander.
Was die nicht unmittelbar, aber doch regional verbundene Öffentlichkeit vor allem besänftigen mag: Es wird, wenn sich das Gewitter gelegt hat, weiterhin eine Fachhochschule und eine Lausitzer Universität geben. Aller Voraussicht nach stellt das Land pro Jahr weiterhin 66 Millionen Euro für Forschung und Ausbildung hier im Landessüden zur Verfügung. Das ist nicht viel, aber, wenn es besser eingesetzt würde als bisher, eine Menge. Die Potsdamer Revisoren kritisieren heftig den Cottbuser Kostensatz pro Lehrstuhl, verwirren aber an dieser Stelle mehr, als sie helfen. Sie rechnen vor, die Uni wäre weitaus erfolgreicher gewesen, hätte sie sich mit 100 Professoren (statt mehr als 150) auf Kernwissenschaften konzentriert. Daher hat das Wissenschaftsministerium aktuell 40 Prof-Stellen blockiert, also nicht besetzen lassen. Diese 40 Stellen werden der BTU nun als „Zielprämie“ versprochen (Regierungsbeauftragter Grünewald: „Nennen Sie es meinetwegen Bestechung“), wenn sie ihren Widerstand gegen Neu- oder Umgründung aufgibt. Wo steckt da wirklich ein Sinn?
Dieser und viele andere Ungereimtheiten rücken die ganze universitäre Aufregung in die Nähe des sprichwörtlichen Theaterdonners. Der hat mit wirklichem Unwetter ja zumindest die reinigende Wirkung gemein.
Dass sich so viele Menschen so intensiv mit der Lausitzer Hochschullandschaft beschäftigen, gab es nie zuvor. Ein schöner Gewinn. Jürgen Heinrich