Ein Cottbuser in seinen drei Berufen

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Buchtitel: Klaus Loose: „Meine drei Berufe“

Klaus Loose aus Coburg erzählt über seine Jugendjahre in der Lausitz
Cottbus / Coburg (hnr.) Hunderte „Lebenserinnerungen“ werden alljährlich, teils in Kleinstauflagen oder abrufbaren Einzelexemplaren gedruckt. Die von Klaus Loose unter dem Titel „Meine drei Berufe – Cheforganisator, Theatermacher, Ausstellungsmacher“ sind besser als ihr etwas umständlich-hölzerner Titel. Die meiste Zeit seines Lebens verbrachte der Autor als Zöllner, also nicht an der Wiege der Poesie. Er schreibt flüssig und scheint – zumindest soweit es Cottbus-Kenner und Leute, die sich mit den wilden Nachkriegsjahren im Osten befasst haben – authentisch zu sein. Ein empfehlenswertes Buch also.
Klaus Loose, Jahrgang 1928, ist in Guben geboren. Sein Vater war höherer Bankangestellter. Schon 1934 bekam er eine führende Stellung in Cottbus, war bald Reichsbankinspektor. Das Haus, in dem Fritz Loose hier in Cottbus (heutiges JokerPlace) arbeitete, beschreibt sein Sohn als so außerordentlich nobel und von feierlicher Vornehmheit, wie er es später nur in großen Londoner Bankhäusern erlebte. Zunächst wohnte die Familie in der Lübbener Straße am westlichen Stadtrand, 1938 baute der Vater das Haus in der Richard-Wagner-Straße 49. In seinen Erinnerungen ruft der Autor Bilder auf aus Schule und Nachbarschaft, erzählt aus Kindheit, über Freundschaften, Theatererlebnisse, Freuden und Enttäuschungen in Cottbus.
Er besuchte die heutige Paul-Werner-Schule, dann das Gymnasium und nachfolgend eine Ausbildung zum Zöllner. Reichsarbeitsdienst, Aufenthalt in Döbbrick, Rückkehr ins geplünderte Wohnhaus und zur Schule, dann Annährung an die Politik (Vater war PG, er selbst kam zur CDU und auch zur FDJ) mögen dem Enkelsohn Valentin in Coburg, für den er zunächst diese Geschichten aufschrieb, so fern klingen wie aus einer anderen Welt.
Opa, damals grad 24-jährig, hat tatsächlich die „Welten“ gewechselt, setzte sich nach Westberlin und dann nach Westdeutschland ab. Gestig-kulturell aber ist er im Osten geprägt worden. Das liest sich aus seinen Schilderungen des hiesigen Theaterlebens oder der großen Wertschätzung für die erzgebirgische Schnitzkunst heraus. Seine Sammlerleidenschaft für  Gegenstände der Volksfrömmigkeit mag in Seiffen begonnen haben. Er baute sie aus und belebte sie auf höchst interessante Weise. Er war „Prinzipal“ eines privaten Marionettentheaters, das er 1998 der Stadt Bamberg schenkte. Das heute kleinste Theater Bayerns hat ein weites Repertoire: von Shakespeares „Sommernachtstraum“ bis zum Mozqarts „Zauberflöte“. Erstaunlich, was Cottbuser so bewegen in der Welt!

Klaus Loose, Meine drei Berufe, ISBN 978-3-86386-585-6


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