An diesem Sonntag können Interessierte auf einem Stück Bahntrasse in den farbigen Herbst wandern.

Region. Kürzlich wurde mit einem Tag der offenen Tür im Bahnhof Cottbus der DB Regio AG das 160jährige der Bahnverbindung von Berlin nach Cottbus gefeiert, doch hatte das Bahnzeitalter schon 20 Jahre früher mit der Cottbus-Schwielochsee Eisenbahn (CSE) begonnen.
Für die stetig steigenden Warentransporte zwischen Cottbus und dem Schwielochsee standen den Händlern und Kaufleuten der Region leider nur sandige und schlechte Landwege zur Verfügung. Daher weckte die Eröffnung einer Pferdeeisenbahn zwischen Linz und Budweis im Jahr 1827 auch Begehrlichkeiten zwischen Cottbus und Goyatz. Führender Kopf im Transport-Projekt der Region war der Kaufmann Albert-Heinrich Liersch (1821-1911). Es gab damals zwar schon die Dampfeisenbahn, aber die war den Kaufleuten zu teuer. Daher entschied man sich für eine Pferdeeisenbahn mit einer Spurweite von 1435 Millimetern, um später auf Dampfbetrieb umstellen zu können. 1843 wurde der Baumeister und Kartograf Carl-Friedrich Zimpel (1801-1979) beauftragt, eine Trasse zu vermessen. Nach Vorlage und Überprüfung seiner Unterlagen beim Königlichen Finanzministerium in Berlin und der Regierung in Frankfurt an der Oder und deren Bewilligung trat am 13. Dezember 1843 ein vorbereitendes Komitee für den Bau der Bahn zusammen. Es gründete mit einen Kapital von 273.000 Talern per 6. Mai 1844 die Aktiengesellschaft „Cottbus-Schwielochsee Eisenbahn“ (CSE). Per 18. August wurde der Bau der Pferdeeisenbahn zwischen Cottbus über Fehrow nach Goyatz zum Schwielochsee durch die preußische Regierung bestätigt. Mit dem Bau hatte man den königlichen Bauinspektor Fritsch beauftragt.
Eröffnet wurde die Verbindung von Cottbus zum Schwielochsee auf einer Länge von 31,4 km (die 1876 um 230 Meter erweitert wurde) per 24. Juni 1846. Die Baukosten wurden mit 272.588 Talern und 20 Silbergroschen angegeben – knapp unter dem Grundkapital der Aktiengesellschaft.
Die Bahn war eingleisig ausgeführt; nur in den Bahnhöfen waren zwei Gleise vorhanden. Die Pferde sind zwischen den Schienen mit ihrer Anhängelast und der Pferdeführer (Kutscher) neben dem Gleis gelaufen. Obwohl bei Eröffnung neben 50 Lastenwagen auch 3 Personenwagen im Bestand waren, diente die CSE ausschließlich dem Güterverkehr und hatte mit Pferdewechsel in Fehrow je Richtung eine Fahrzeit von 15 Stunden.
Schon im Eröffnungsjahr 1846 war die CSE nicht das modernste Verkehrsmittel und man stand ständig unter einem Kostendruck. Die Anlagen der Trasse wurden zwar regelmäßig gewartet und befanden sich in gutem Zustand, aber die finanziellen Möglichkeiten waren stets beschränkt. So unterblieb auch die Umstellung auf Dampflokbetrieb. Das Frachtaufkommen war im Laufe der Jahre eher rückläufig. Durch weitere Industrialisierung ergaben sich zunehmend günstigere Transportmöglichkeiten. Fast 28 Jahre nach Eröffnung der CSE entschloss sich die Generalversammlung per 6. April 1874, die Pferdeeisenbahn an die Cottbus-Großenhainer Eisenbahn (CGE) zu verkaufen. Diese Übernahme wurde aber von der CGE abgelehnt. Um den Untergang der CSE zu verhindern,
beteiligte sich die CGE am Bau eines Verbindungsgleises zwischen dem Cottbuser Bahnhof der CSE und dem Bahnhof der CGE. Dieses Verbindungsgleis zwischen beiden Bahnhöfen wurde 1878 eröffnet.
Da der Oberbau und die Brücken der CSE für die Transportlasten der CGE nicht ausgelegt waren, musste das Handelsgut mühselig umgeladen werden. Der erhoffte Aufschwung durch die Verbindung der beiden Bahnhöfe blieb leider aus. 1878 ersuchte die CSE-Generalversammlung die königliche Regierung in Preußen um Unterstützung für eine Umrüstung auf Dampfbetrieb. Man rechnete mit Kosten von 198.000 Talern (594.000 Mark). Da der Antrag nicht bewilligt wurde, beschloss eine außerordentliche Generalversammlung der CSE die Auflösung der Bahn. Als offizieller Einstellungstermin gilt der 1. April 1879, der letzte Pferdeeisenbahnzug war am 18. April 1879 nach Cottbus unterwegs. Die Restanlage kaufte der Dresdner Fabrikant Ephraim, der sie in verschiedenen Positionen weiter veräußerte.
Obwohl die Pferdeeisenbahn schon reichliche 147 Jahre Geschichte ist, kann man in Cottbus und in Goyatz Relikte der Pferdebahn entdecken. Die ehemalige Trasse ist zwischen Fehrow und Byhlen sowie Mochow und Goyatz noch gut erkennbar.
„Radehose Erlebnistouren“ bietet jetzt eine Herbstwanderung auf der ehemaligen Pferdeeisenbahntrasse zwischen Fehrow und Byhlen an. Treffpunkt für die kostenpflichtige Wanderung ist am 1. November um 9:00 Uhr an der Kirche in Fehrow; eine telefonische Anmeldung unter 0170 8062147 ist erforderlich.
Eine Grafik am ehemaligen Bahnhof der Spreewaldbahn in Goyatz erinnert an Stationen der einstigen Pferdeeisenbahnlinie.
Ausführlich hat der Lübbenauer Peter Becker die Bahn im NIEDERLAUSTZ-Jahrbuch 20-25 (Band 9) beschrieben.
Text u. Foto: Frank Heilmann
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