50 Jahre Kraftwerk Jänschwalde und (k)ein Ende in Sicht

Energiestandort mit bewegter Geschichte feiert Jubiläum und sucht seine Zukunft.

Jänschwalde (MB). Mit dem ersten Spatenstich für das Hauptgebäude begann am 19. Juli 1976 die Geschichte eines der größten Braunkohlekraftwerke Europas. Rund 50 Jahre später blickten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Belegschaft bei einer Festveranstaltung auf dem Kraftwerksgelände auf die Entwicklung des Energiestandortes zurück. Zwischen 1981 und 1988 gingen im Kraftwerk Jänschwalde sechs Kraftwerksblöcke mit jeweils 500 Megawatt Leistung schrittweise ans Netz. Mit einer installierten Gesamtleistung von 3.000 Megawatt entwickelte sich der Standort zu einem tragenden Pfeiler der ostdeutschen Energieversorgung.

50 Jahre Kraftwerk Jänschwalde und (k)ein Ende in Sicht
Vor wenigen Tagen feierte die Politik in Jänschwalde das 50-jährige Kraftwerksjubiläum. Trotzdem gehen hier, durch den politisch beschlossenen Kohleausstieg, bereits in knapp zwei Jahren und fünf Monaten die Lichter aus. Adäquate Ersatzinvestition, die die Zukunft des Standortes langfristig sichern, sind derzeit nicht in Sicht.

Anlässlich des Jubiläums würdigten Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, LEAG-Personalvorstand sowie zahlreiche Vertreter aus Politik, Behörden und Wirtschaft gemeinsam mit aktiven und ehemaligen Mitarbeitern die Geschichte des Kraftwerks. Ministerpräsident Woidke sagte: „Als Lausitzer verbinde ich mit dem Blick auf die Türme des Kraftwerks Jänschwalde immer den Begriff Sicherheit. Das Kraftwerk steht seit 50 Jahren für eine sichere Energieversorgung und für sichere Arbeitsplätze, für Wertschöpfung und Wohlstand.”

Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Kraftwerk umfassend modernisiert. Milliardeninvestitionen in Rauchgasreinigung, Umwelttechnik und effizientere Anlagen senkten die Emissionen deutlich und verbesserten den Wirkungsgrad. Gleichzeitig blieb Jänschwalde einer der wichtigsten Arbeitgeber der Lausitz und sicherte zahlreiche Arbeitsplätze auch bei regionalen Dienstleistern und Zulieferern.

Mit dem politisch beschlossenen Kohleausstieg änderten sich jedoch die Perspektiven grundlegend. Zwei Kraftwerksblöcke gingen 2018 und 2019 zunächst in die Sicherheitsbereitschaft und wurden infolge der Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Krieges vorübergehend wieder aktiviert. Block A wurde Ende 2025 endgültig stillgelegt. Derzeit stehen noch 1.500 Megawatt Leistung für den Strommarkt zur Verfügung. Nach dem Kohleausstiegsgesetz sollen Ende 2028 alle verbleibenden Blöcke abgeschaltet werden.

Dennoch sieht die LEAG Chancen für den Standort. Personalvorstand Jörg Waniek betonte: „Mit dem bevorstehenden Betriebsende des Kraftwerks Jänschwalde Ende 2028 gehen hier nicht die Lichter aus.” Für die derzeit noch 578 Beschäftigten werde es Perspektiven innerhalb des Unternehmens geben. Zudem biete der Standort mit seinen leistungsfähigen Netzanschlüssen und der vorhandenen Infrastruktur gute Voraussetzungen für neue Energieprojekte.

Ein erster Schritt ist bereits geplant. Noch in diesem Sommer sollen die Bauarbeiten für das Batteriespeicherprojekt „GigaBattery 1000 Jänschwalde” beginnen, das als größtes Batteriespeichercluster Deutschlands gilt. Ebenfalls vorgesehen ist eine Power-to-Heat-Anlage, die künftig die Fernwärmeversorgung von Cottbus weiterhin sichern soll. Ob diese Projekte ausreichen, um die wirtschaftliche Bedeutung des traditionsreichen Energiestandortes dauerhaft zu sichern, bleibt jedoch offen. Größere Industrieansiedlungen oder neue konventionelle Kraftwerksprojekte befinden sich derzeit nicht in der Umsetzung. So endet mit dem geplanten Ausstieg aus der Kohleverstromung ein bedeutendes Kapitel Lausitzer Industriegeschichte.

Weitere Beiträge aus unserer Region finden Sie hier!