Altes Handwerk hat immer Zukunft

Lars Wertenauer / MFT Geschäftsführer, Azubi Justin Tröbler, Heinz-Wilhelm Müller / Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Cottbus und Knut Deutscher / Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus (HWK) (v.l.n.r.) begutachten beim Werksrundgang neben modernster Technik auch die manuellen Tätigkeiten wie hier die Korrektur von Stahlbändern Fotos: J. Kurze

Metallbauer brauchen Muskeln und Köpfchen / Auch Metall-Form-Technik GmbH Kolkwitz bildet aus.

Kolkwitz (jk). Der Metallbau zählt zu den ältesten Handwerken. Immerhin wurde die erste Zunft der Kleinschmiede bereits im 14. Jahrhundert gegründet. Im 19. Jahrhundert änderte sich mit Beginn der Industrialisierung das Tätigkeitsfeld, denn die zur industriellen Produktion erforderlichen Maschinen mussten zunächst gefertigt und später auch gewartet werden. Heutzutage ist ein Metallbauer in drei verschiedenen Fachrichtungen tätig: Konstruktionstechnik, Metallgestaltung oder Nutzfahrzeugbau. In allen Bereichen finden sowohl reine Handarbeit als auch hoch technisierte Verfahren ihre Anwendung.
Unternehmen bilden aus
Ein Unternehmen, das besondere Erfolge in der Ausbildung von Fachkräften hat, ist die 1991 gegründete Metall-Form-Technik GmbH aus Kolkwitz. Mit 50 Mitarbeitern ist sie im Stahl- und Aluminiumbau, auch in Verbindung mit Glas und Kunststoffen, tätig. Im August 2017 hat Geschäftsführer Lars Wertenauer das Dienstleistungsspektrum um eine Pulverbeschichtungsanlage erweitert. Besonderen Wert legt die MFT GmbH auf die Ausbildung: Jugendliche können hier den Beruf Metallbauer, Fachrichtung Konstruktionstechnik erlernen. In der Vergangenheit überraschten Lehrlinge des Unternehmens immer wieder mit außergewöhnlichen Leistungen. 2009 und 2016 wurde der Betrieb mit dem Ausbildungspreis geehrt. „ Bisher haben wir 23 Metallbauer ausgebildet“, so Lars Wertenauer. „ Zur Ausbildung gehört Geduld. Unser Ziel ist es natürlich, dass die Azubis in unserem Unternehmen bleiben. Das ist uns in den vergangenen fünf Jahren auch gelungen. Zudem konnten wir im Betrieb sogar sechs Mitarbeiter zum Meister qualifizieren.“ Sein Team ist „im Schnitt 37 Jahre alt“, junge Leute finden sehr schnell ihren Platz. Damals wie heute lernt man in der Ausbildung manuelles und maschinelles Bearbeiten und Umformen von Blechen und Profilen, aber auch Schweißen, thermisches Trennen
sowie die Themenkomplexe Prüfen, Messen und Qualitätsmanagement stehen auf dem Programm. In den letzten Jahren machten technische Innovationen mittlerweile die pure Muskelkraft weniger nötig und sorgten dafür, dass verstärkt Köpfchen gefragt ist. „Unsere hochmoderne Plasma-Schweißmaschine arbeitetet mit einer Schweißgeschwindigkeit von 2,80 Meter pro Minute. Da darf man sich bei der Programmierung und der Bedienung keinen Fehler erlauben, das wird sonst richtig teuer.“ mahnt Lars Wertenauer.
Bundesagentur für Arbeit und Handwerkskammer helfen
Im Rahmen der bundesweiten Aktion „Woche der Ausbildung“ der Bundesagentur für Arbeit besuchten kürzlich Heinz-Wilhelm Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Cottbus, und Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus (HWK) den Ausbildungsbetrieb Metall-Form-Technik GmbH in Kolkwitz. Im gemeinsamen Betriebsrundgang verdeutlichte MFT- Geschäftsführer Lars Wertenauer noch einmal das breite Spektrum der Tätigkeitsfelder im Unternehmen. Heinz-Wilhelm Müller stellte fest: „Ausbildung ist der Grundpfeiler einer erfolgreichen Zukunft – für Betriebe und Jugendliche gleichermaßen. Ein junger Mensch, der wirklich eine Ausbildung sucht, der bekommt auch garantiert einen Ausbildungsplatz. Knapp 600 Ausbildungsstellen sind momentan nicht besetzt. Wir unterstützen jeden Ausbildungsinteressenten, das passende Angebot zu finden. Und nicht vergessen: jeder kleine Betrieb, der ausbildet, ist ein Puzzlestein für den Plan B in der Lausitz, wenn der Strukturwandel umgesetzt wird.“ Knut Deutscher bekräftigte: „Wir helfen den Jugendlichen, den richtigen Ausbildungsberuf im Handwerk nach ihrem individuellen Profil, ihren Interessen und Fähigkeiten zu finden. Bereits jetzt haben unsere Betriebe mehr als 255 freie Lehrstellen gemeldet, um ihre künftigen Fachkräfte ausbilden zu können.“ Neue Wege werden eingeschlagen, die Oberstufenzentren der Region und die BTU Cottbus-Senftenberg stehen dem Thema „duale Ausbildung“ positiv gegenüber. Übrigens: wer sich noch nicht sicher ist, ob der Metallbauer der passende Beruf ist, der kann bei der MFT Kolkwitz GmbH einen der Praktikumsplätze nutzen.