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Barbaras Schutz wird dringend gebraucht

Region | Von | 24. Dezember 2014

Vattenfaller gehen gespannt aber nicht ängstlich ins neue Jahr / Zeitnahe Entscheidung gefordert:
Region (ha). Es ist wieder einmal ein sehr bewegter Jahreswechsel für die Kumpel, aber auch für die Menschen, die schon auf gepackten Koffern sitzen, um in eine neue Heimat zu ziehen, damit der Weg für die Tagebaue frei wird. Der angekündigte Verkauf der Braunkohlesparte von Vattenfall war und ist das Hauptthema, nicht erst seit der Barbarafeier, auf der sich unter anderem Frank Heinze deutlich zu Wort meldete. „Die Menschen, die auf den Koffern sitzen, machen mir die größten Sorgen“, sagt der Gesamtbetriebsrat von Vattenfall Generation, „denn nach den fortgeschrittenen Umsiedlungsplänen führen die Verzögerungen jetzt zu neuen Fragen bei den Betroffenen.“ Der Schwebezustand sei für sie ebenso unerträglich wie für die Vattenfaller in der Lausitz. „Der Zustand ist durch den schwedischen Eigentümer selbst verursacht worden und dadurch, was die deutsche Politik in den Medien diskutiert. Die Zeitfrage, die Klarheit für dringende Investitionsentscheidungen schafft, ist in unserem Revier drängender als irgendwo sonst.“ Neben der schnellen Entscheidung wünscht er sich fürs neue Jahr „etwas mehr Realismus in der Politik unter der Beachtung, welche Leistungen wir schon zur Senkung der CO2-Emission beigesteuert haben. Die Einsparung, die wir in 23 Jahren mit dem Zusammenbruch der DDR, mit dem Bau und der Modernsierung von Kraftwerken mit hohen Wirkungsgraden geschafft haben, will die Bundeskanzlerin in nur fünf Jahren wiederholen. Das erscheint mir sehr illusorisch.“

Folgen unbezahlbar
In zahlreichen Bürgergesprächen hat auch Harald Altekrüger, Spree-Neiße-Landrat, die sorgenvolle Stimmung der Menschen erfahren, besonders von den Menschen, die am Tagebaurand leben. „Die Sich-Sorgenden begrenzen sich keinesfalls auf unseren Landkreis sondern reichen weit darüber hinaus. Ein Verkauf der Braunkohlesparte hat größere Auswirkungen als sich viele eingestehen wollen. Der Atom- ausstieg hat gezeigt, welche Folgen vorher überhaupt nicht beachtet wurden. Zweistellige Millionenbeträge fehlen jetzt in den dortigen kommunalen Kassen. Wie stark sich ein Verkauf hier bei uns auswirkt, kann niemand verlässlich sagen. Aber sicher ist, dass der Verlust so hoch sein wird, dass er nicht ausgeglichen werden kann.“
Dramatische Folgen sieht auch Wolfgang Rupieper, Vorsitzender des Vereins Pro Lausitzer Braunkohle, auf die Region zukommen. „Vom Arbeitsplatzabbau über geringere Entlohnung der Beschäftigten bis hin zu den Möglichkeiten, dass viele Unternehmen im Vattenfall-Umfeld ihre Aufträge verlieren, reicht die wirtschaftliche Dimension. Ganz zu schweigen von der dann ungewissen Unterstützung der sozialen und kulturellen Infrastruktur. Der Konzern hat als jahrelanger verlässlicher Partner Milliarden in die Region, in den Klimaschutz und die Effektivität der Kraftwerke, aber auch in die kulturelle und soziale Infrastruktur der Lausitz investiert. Die Mitarbeiter werden sehr deutlich über dem Tarif entlohnt, das bringt vielen Familien Wohlstand und Kaufkraft. Dank Vattenfall haben wir in der Lausitz heute den weltweit modernsten Kraftwerkspark. Aber auch Vereine wie Energie Cottbus, die Füchse in Weißwasser, das Kindermusical Cottbus und viele Ereignisse wie das Filmfestival konnten dank der Unterstützung durch Vattenfall viele Menschen und eine besondere Qualität erreichen. Der Verlust eines solchen Partners schmerzt, ganz besonders, weil der Rückzug aufgrund politischer Vorgaben durch den Schwedischen Staat als Eigentümer erfolgte.
Noch mehr aber beunruhigt mich die Möglichkeit, dass die Förderung und Verstromung der Braunkohle 2030 oder 2040 enden kann. Das wäre das Aus für die hundertjährige Ära der Industrieregion Lausitz. Dann wäre nicht in 20 Jahren Schluss, sondern jetzt. Die Unternehmen würden nicht mehr investieren, die jungen Menschen würden jetzt aus der sterbenden Region abwandern. Denn einen Plan B wird es nicht geben. Ohne Braunkohle fällt die Lausitz auf die Strukturschwäche zurück, die hier auch vor 100 Jahren herrschte.“

Zukunft Braunkohle
Dass die Braunkohle Zukunft haben muss, fordert Landrat Harald Altekrüger. „Ich bin ein Befürworter der Kohle. Aber sie darf nicht nur verbrannt werden, sondern muss auch stofflich genutzt werden. Sie ist ein wertvoller Rohstoff, der mehr Beachtung verdient. Damit erhielte auch die CO2-Betrachtung eine neue Diskussionsgrundlage. Dafür muss jedoch deutlich mehr Kraft hineingesteckt werden.“
Die Lausitzer Kumpel werden nicht tatenlos auf die Entscheidung warten. „Wir haben auf den verschiedensten Ebenen Kontakte nach Schweden geknüpft“, sagt Frank Heinze. „Wir werden den Prozess begleiten und unterstützen. Aktionismus ist nicht zielführend, aber wir werden darauf drängen, dass wir aus Arbeitnehmersicht nicht unter die Räder kommen. Und ich hoffe, dass die Interessen der von Umsiedlung Betroffenen genauso beachtet werden.“ Und Harald Altekrüger kündigt an: „Zusammen mit dem Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch und dem Görlitzer Bürgermeister Bernd Lange haben wir eine Einladung nach Schweden geschickt. Dort werden wir – nach den Ansichten der Bundes- und Landesregierung – auch unsere kommunale Sicht schildern. Wir sind es schließlich, die die Auswirkungen zu tragen haben.“



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Kommentar

Sehr geehrte Damen und Herren

Will man in dem Artikel eine Neitdiskusion anschieben ?
In Ihrem Artikel schreiben Sie: Die Mitarbeiter werden sehr deutlich über dem Tarif entlohnt . Das ist schlichtweg gelogen.


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