
Auch in Potsdam hat es der Branitzer Fürst ins UNESCO-Erbe geschafft:
Potsdam (hnr.). Ein paar Jogger hetzen den Berg hinauf, zwei Frauen zerren an ihren verliebten Hunden und Teefreunde streben zum Kleinen Schloss, in dem ein gut bewirtschaftetes Café einlädt. Ein zarter Hauch von Neuschnee gibt dem Hügel Reinheit zum Advent. Trotzdem duftet es urwaldartig nach Moder hinfälliger Hölzer, und unter dickem Laub sind nicht alle Wege zu finden. Gerade die schmalen nicht, die pücklerschen. Die Hauptwege dieses preußischen Parks hatte schon Lenné angelegt, ehe er sich mit der Frau des Auftraggebers, Prinz Wilhelm, dem späteren ersten Kaiser, überwarf. Pückler übernahm Lennés Ansätze, fügte aber viele kleine Wege hinzu und pflanzte nicht Solitärs, sondern Baumgruppen, die sich empor trieben und als Ganzes jeweils wie ein Solitär wirken. Wenn sie grün sind.
Jetzt enthüllt sich jahreszeitgerecht die Unordnung dieser Anlage, die die Babelsberger am liebsten als Volkspark bespielen möchten. Immerhin haben sie zweierlei erreicht: Sie haben wie Bad Muskau das UNECO-Siegel (als Teil der Potsdamer Park- und Schlösserlandschaft) und sie dürfen (im Gegensatz zu Branitz) auf Hauptwegen Rad fahren.
Romantisierende Bauwerke schmücken diesen Park – vor allem das mächtige Schloss, 1833-49, anfangs nach Schinkel-Plänen, errichtet. Es gilt als eines der bedeutendsten neugothischen Bauwerke überhaupt und wird daher seit Anfang 2013 äußerlich saniert. Fertig sein wollten die Bauleute Ende 2015, aber das werden sie nicht mehr schaffen. 9,2 Millionen Baukosten sind für das Vorhaben vom Bund und aus den Kulturmittel-Töpfen Berlins und Brandenburgs geflossen. Bauherr ist die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Sie schließt kommendes Jahr aus Geldmangel mehrere ihrer Objekte für Besucher. Aber sie zeigt auch Begehrlichkeiten: Das edle, fein gehegte Branitz möchte sie gern in ihr Reich vereinnahmen.









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