Lob und Leid der Kohle / Nachwuchssuche


Helmut Franz (re.) und Bergkamerad Willi Mertsching zum 20-jähriges Bestehen des Landesverbandes Sachsen-Anhalt in
Sangerhausen im Juli 2013 | F.: H. Franz
Helmut Franz ist in Welzow aufgewachsen und lebt noch heute dort. Bezeichnenderweise wohnt er im Bergmannsring. Eine Siedlung die Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts erbaut wurde, um den Bergleuten, die sich hier neu ansiedelten, ein zu Hause zu bieten. „Bis 1910 wuchs die Einwohnerzahl so in nur wenigen Jahren von 250 auf ganze 5 000 an“, erklärt der Vorsitzender des Traditionsvereins Braunkohle Senftenberg e.V. Bis 2010 war der Tagebau Welzow Süd das Schaffensfeld des gelernten Elektrikers und späteren Elektro-Ingenieurs. „Ich bin mit dieser Region fest verwurzelt und der Bergbau ist ein wesentlicher Teil davon“, so der Bergmann. Im Zuge seiner langjährigen Arbeit als Betriebsratsvorsitzender nahm er 1996 an der bis dato größten Bergmannsparade in Saarbrücken teil. Ganz Deutschland war hier mit Vereinen vertreten. „Wieso haben wir sowas nicht, hab ich mich damals gefragt“, erinnert sich Helmut Franz heute. Nach seiner Rückkehr führte er eine Vielzahl von Gesprächen mit Verantwortlichen der Region und des Bergbaus. In Zusammenarbeit mit dem langjährigen Senftenberger Bürgermeister Klaus-Jürgen Graßhoff, gründeten schließlich, am 22. Februar 2001, 38 Bergleute im Rathaussaal der Stadt den Traditionsverein Braunkohle Senftenberg e. V.. Als oberstes Ziel hat sich der Verein die Bewahrung der Tradition, die Brauchtumspflege und deren Weitervermittlung gesetzt. Über Nachwuchs würde sich der Verein sehr freuen. „Nur so kann der Fortbestand gesichert werden“, weiß auch Helmut Franz. Die aktuell 56 Mitglieder, darunter auch acht Frauen, absolvieren seit der Vereinsgründung jährlich verschiedene Termine, wie die Bergmannstage, die Eröffnung des Barbarakanals und weitere traditionelle Feste der Region. Ein besonderer Höhepunkt waren die zweiten Senftenberger Bergbautage. Im Juli 2013 gab es einen feierlichen Bergaufzug mit 14 Traditionsvereinen aus der Lausitz bis hin zum Saarland. Natürlich durfte das bekannte Steigerlied dabei nicht fehlen. „Welcher andere Berufsstand hat schon eine eigene Hymne“, sagt Helmut Franz mit Stolz. Selbst ein Kurzfilm mit Beiträgen der Veranstaltung, dem Festumzug und dem Chor ist dabei entstanden. Als wichtigste Projekte für 2014 benennt Helmut Franz die Landesdeligiertenversammmlung des Landesverbandes Brandenburg-Berlin am 5. April in Senftenberg und den Bergmanntag Anfang Juli. Hierbei soll auch das Thema Energiepolitik gemeinsam mit prominenten Referenten diskutiert werden.
„Wertschöpfungsmäßig sind Bergbau und Energiewirtschaft aus der Lausitz nicht wegzudenken“, so Helmut Franz. Für ihn ist der Wachstum der Region und die Vielzahl der Neuansiedlungen in diesem Gebiet ein wesentlicher und prägender Faktor. Derzeit wird die Erschließung bzw. Erweiterung des Tagebaus Welzow um das Teilgebiet II heiß diskutiert. Bergmann Helmut Franz sieht dem ausstehenden Beschluss ruhig entgegen. „Kohle hat die Lausitz industriell groß gemacht. Sollte die Entscheidung für die Tagebauerweiterung fallen, werde auch ich mit meiner Familie umsiedeln müssen.“







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