Die Gubener „Hut“-Produktion lebt

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In sagenhaftem Tempo jagt die Nadel der Textima-Nähmaschinen durch den flauschigen Stoff. Petra Kubec bespricht mit den beiden Näherinnen Ina und Danka den Stand der Stulpen-Produktion. Wann ist wieder Zeit für ein paar Mützen? Beim Handwerkermarkt in Burg sollen die schönsten Modelle reichlich vorhanden sein Fotos: Jens Haberland

Lohnfertigungen sind heute Pflicht, Hüte und Mützen die Kür von GubHut:
Guben (ha). „Gubener Hüte – weltbekannt durch ihre Güte“ – der Spruch stimmt heute noch. Fast, denn für den weltweiten Versand reichen die Stückzahlen aus der Näherei von Petra Kubec und Heidemarie Höhne natürlich nicht. Die beiden haben die letzte Gubener Hutproduktionsstätte, die keine mehr war, vor 15 Jahren verlassen und gründeten am 14. Juli 2000 eine eigene Näherei für Kopfbede­ckungen. „Es war nicht so einfach, das Firmen- und Finanzierungskonzept durchzusetzen, denn dieser Zweig hatte keinen guten Ruf bei den Banken“, erinnern sich die Gründerinnen. Ihr Fachwissen und ihr Einblick in das Geschäft halfen. Sie kauften Nähmaschinen, Regale, Büromöbel und Stoffe. „In den ersten Jahren produzierten wir große Stückzahlen und ließen auch in Polen nähen. Aber der Zoll- und Grenzverkehr kostete enorm viel Kraft, Zeit und noch mehr Nerven, bis wir sagten, ‘Das können wir auch hier nähen’. Seit zirka 2006 werden alle unsere Kopfbedeckungen hier an diesem geschichtsträchtigen Ort angefertigt.“ Damit meinen sie die Bauten, die einst ein Werkteil der Gubener Wolle waren.
Von selbstgenähten Kopfbede­ckungen – überwiegend für Damen – kann das Vier-Frauen-Unternehmen nicht leben, wirtschaftlich wichtigstes Standbein ist seit fünf Jahren die Lohnfertigung geworden. Kissenhüllen, Armstulpen, Wärmflaschen- taschen, Wohlfühlkleidung für Zuhause – die Vielfalt ist groß, die Stückzahlen teilweise auch. „Dafür ist unser Handel mit Naturprodukten zurückgegangen. Vieles, was wir einst fast allein angeboten haben wie Waschnüsse, ökologische Waschmittel oder Yogakissen gibt es nun an vielen Stellen“, erklärt Petra Kubec, aber es klingt gar nicht so traurig. Die Näherei, die Hüte und Mützen stecken eben mehr im Blut der beiden Unternehmerinnen als der Handel. Und so merkt man im Gespräch immer wieder, wie die Augen zu leuchten beginnen, wenn sie ihre Mützen und Hüte vorführen und über die leichten Materialien

schwärmen. „Ja, das beste Leinen kam aus Spremberg. Das waren wirklich tolle Stoffe, aber die Spremberger Tuche gibt es nicht mehr. Die Chefin ist heute Bürgermeisterin“, bedauern die beiden.
Und so liegt die Schwierigkeit darin, Anbieter zu finden, die gute, leichte Stoffe in kleinen Mengen verkaufen, aus denen ein breites Sortiment hergestellt werden kann. Sie selbst verkaufen ihre Mützen samt passenden Schals am liebsten im Geschäft, aber auch auf Messen und
regionalen Märkten, wie diesen
Sonntag in Burg auf dem Handwerker- und Bauernmarkt. Stolz sind sie, dass sie dort eine Hütte bekommen haben. „Die Burger sind wählerisch“, weiß Petra Kubec, die lange darum
gerungen hat, im Spreewald­ort dabei zu sein.