
Klaus Schmiedchen hat als Meister-Kaufmann deutschlandweit Spuren der Behaglichkeit gelegt
Cottbus (hnr.) Die drei Buchstaben ico mit dem holzfarbenen quadratischen Punkt überm kleinen „i“ sind in der Region gut bekannt. Im Cottbuser Osten, An der Pastoa, weisen sie den Weg zum Schauraum mit allem, was die Arbeit in Büros angenehm und produktiv macht. Stühle jeglicher Bauart, Pulte und Tische, die sich pneumatisch heben lassen, ganze Wände für Akten, Ordner und Produkte.
Klaus Schmiedchen (73) ist hier fast täglich anzutreffen. In der Arbeitsteilung mit seinem 50/50-Geschäftspartner, dem Sohn Sylvio Schmiedchen, fällt auf ihn jetzt vorwiegend (keinesfalls ausschließlich) der Innendienst. Seinen heute bestens aufgestellten Betrieb ico Innenprojekt Cottbus GmbH hat er vor genau 40 Jahren, am 1. Oktober 1976, als Ein-Mann-VEB an fast genau dieser Stelle gegründet.
Krach im Absatz
Ein Krach ging dem voraus. Der junge Spund Schmiedchen war als kaufmännisch begnadeter Meister beim volkseigenen Betrieb PoCo (Polstermöbel Cottbus) kometenhaft zum Absatzleiter aufgestiegen. 31jährig unterstand ihm schon ein Produktionsbereich mit 150 Leuten. Und er nahm es mit „Meine Hand für mein Produkt“ (DDR-Wettbewerbsslogan) genau. Als westdeutsche Geschäftsleute seine Möbel Lkw-weise reklamierten und nicht zahlen wollten („Die waren fehlerfrei, aber drüben hatten die den Absatz nicht im Griff“), machte er Druck: Zahlen oder Klage! Die Kombinatsdirektion („Wo Westpartner Weihnachten die Geschenke abluden“) stand Kopf: Sie entschuldigen sich bei unserem Kunden, gleich! Klaus Schmiedchen erinnert sich: „Der Kunde von drüben saß gesenkten Hauptes am Tisch. Ihm schien das peinlich. Mir auch. Ich ging.“
Schmiedchen verließ schweren Herzens seine Cottbuser PoCo-Kollegen, die ihm nachtrauerten. Es fiel ihm schwer, aber alles fügte sich erfreulich. Bei einem Lehrgang hatte er eine Kollegin vom VEB Innenprojekt Halle kennengelernt. Die wollten dringend eine Außenstelle in Cottbus eröffnen. „Gut“, sagte der inzwischen studierte Cottbuser Möbelexperte, „ich mach’ das.“
Sternchen und Bellevue
Der Sitz der Firma war in Berlin. Von da kam ein Mann für einen Nachmittag, hatte drei Räume in einer sonst leer stehenden Tiefbau-Baracke gemietet und erklärt: Nun mach’ mal. Es gab eine Gründungsurkunde vom Rat des Bezirkes, einige Freigaben (zum Beispiel die Erlaubnis, ein Arbeitskräfte-Inserat zu schalten) und sonst nicht viel.
Ipro Cottbus wurde eine Erfolgsgeschichte. „Wir haben die Cottbuser Stadtpromenade mit der „Kosmos“-Bar im berühmten „Sternchen“, alle Pavillons mit Gaststätten und Geschäften und die Disco und das Bowling darunter ausgestattet“, erzählt der Direktor von damals. Die besten Architekten hatten sich bei ihm beworben, und alle Monteure waren wirkliche Fachleute.
Die Feuerprobe für spätere Herausforderungen war das Hotel „Bellevue“ in Dresden. 38 Millionen (Ost-)Mark allein für die Innenausstattung! Schmiedchen war Oberbauleiter, band Betriebe und Handwerker aus der ganzen DDR ein. Natürlich auch Cottbuser, wie den Polsterbetrieb Hummel oder Tischlerei Vater. Die Zusammenarbeit mit den Planern aus Japan und den Hochbauern aus Schweden war hervorragend. Und auch Dresdens Parteichef Hans Modrow gab sich locker bei den Rapports. „Ich konnte nie die politischen Auseinandersetzungen verstehen,“ sagt Schmiedchen. „Bei uns lief alles, und ich kehre noch heute nur im ‘Bellevue’ ein, wenn ich in Dresden bin.“
Tiefpunkt Treuhand
Es kam das Jahr ‘90 und damit ein neuer Firmeneigner: die Treuhand. „Es wurden die düstersten Monate in meiner beruflichen Laufbahn.“ Klaus Schmiedchen musste als Direktor die Übergabe der Firma unterschreiben. Dann hieß es „Management by out“ – Führungskräfte kaufen Unternehmen. Der erfahrene Kaufmann legte sein Konzept vor und versuchte, die Sprüche zu überhören: ‘Ihr wart doch alle schlimme Kommunisten.’ Und: ‘Jetzt kommt ein richtiger Unternehmer und bringt euch mal das Arbeiten bei.’ Der geschmähte „Ossi“ lebte schlaflos. „Konnte ich meine Leuter in Ungwissheit halten?“. Wenigstens 200 000 Mark wollte die Treuhand. Das Konzept – das hat nie jemand gelesen. Es fand sich ein westdeutscher Möbler, der den Betrieb kaufte und einmal im Quartal nach ihm sah. Klaus Schmiedchen wurde sein angestellter Geschäftsführer.
Endlich das Eigene
Anfang 1995 erklärte der Eigentümer, er habe die Nase voll vom Osten und genug verdient. In der FAZ stand schon die Verkaufsanzeige, und in der Pastoa tauchten die Fotografen auf. Aber die wollten nicht den Betrieb, nur die Immobilie. Schmiedchen; „Was blieb mir. Ich habe mein Unternehmen – wieder nach vielen schlaflosen Nächten – zu einem stattlich hohen, unangemessenen Preis gekauft. “Am 1. Juli 1995 war ico in der dritten Eigentumsform endlich sein Eigen. Aus den damals 24 Leuten ist jetzt die 14-Personen Kernmannschaft geblieben, mit der ico Jahresumsätze bei vier bis fünf Millionen Umsatz realisiert.
Erfolgsgeheimnis ist die Kombination aus kaufmännischer und fachlicher Kompetenz. Zusammen mit Reiss Bad Liebenwerde hat ico das Vattenfall-Hochhaus komplett ausgestattet und behält auch den Rahmenvertrag für die deutschen Standorte der Schweden. Kunden sind Krankenhäuser, die Altenpflege, Universitäten und andere große, aber auch kleine Unternehmen.
Klaus Schmiedchen ist vom Typ her bescheiden, aber er hat auch einen besonderen Stolz: „auf viele Arbeitsplätze, die wir hier, nicht nur in Bad Liebenwerda, erhalten helfen konnten, weil wir die guten Produkte von hier für unsere besten Lösungen einsetzen.“








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