Neue Jule-Heimat bleibt umstritten

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Großer Bahnhof herrschte bei der Ankunft der Jule im Jahr 2012. Seitdem ringt die Stadt um einen dauerhaften Standort für das identitätsstiftende Gefährt Foto: Mathias Klinkmüller

Museumsverein findet es beschämend, dass es hier keinen Konsens gibt

Forst (MB). Welche Zukunft hat das Forster Textilmuseum und welche die beliebte Jule? Um diese Frage ging es bei der Forster Stadtverordnetenversammlung am 9. Dezember. Kristian Schmidt, Vorsitzender des Museumsvereins fasst seine Ansicht hierzu folgendermaßen zusammen. „Die Beschlussvorlage zur Grundsatzentscheidung der Weiterentwicklung des Brandenburgischen Textilmuseums Forst, abgekürzt BTM, einschließlich der geeigneten Unterbringung der historischen Forster Stadteisenbahn „Schwarze Jule“ im BTM in der Sorauer Straße wurde während der Sitzung der Stadtverordneten am 9. Dezember 2016 mehrheitlich angenommen. Die Mehrheit von 12 Ja-Stimmen gegenüber 8 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen zeigt die unterschiedliche Bewertung der Fraktionen und einzelner Abgeordneter zur geplanten baulichen Erweiterung des BTM Forst, um davon ausgehend auch die Qualität der Expositionen zu erhöhen, bis hin zu einer Dauerausstellung der Forster Stadtgeschichte, von den Anfängen nicht nur der Textilindustrie der Stadt und dem Brückenschlag in die Gegenwart mit den Problemen des Strukturwandels in der Grenzregion zu Polen. Auch das Archiv verschwundener Orte sollte dabei in zeitgemäßer Form integriert werden.
Millionenbaustelle
Dies bedeutet letztlich Geld in die Hand zu nehmen, um in mehreren Bauabschnitten über die Einwerbung von Fördermitteln, diese ambitionierte Aufgabe in Jahrzehnten vollenden zu können. Niemand weiß heute, ob alle Ideen der vorliegenden Machbarkeitsstudien mit einer geschätzten Gesamtsumme von acht Millionen Euro so realisierbar sind. Entscheidend ist, das Projekt mit Entschlossenheit und Ernsthaftigkeit auf den Weg zu bringen, um dann zu sehen, was konkret im jeweiligen Bauabschnitt umsetzbar ist. Dieser Intention ist die Mehrheit der Stadtverordneten gefolgt. Die Investitionen sollten auch dazu führen, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, aber auch die
Möglichkeiten für Besucher und Gäste deutlich zu verbessern. Dies schließt solche Parameter ein, wie die Aufwertung des Eingangsbereiches des BTM, den Einbau einer Heizungsanlage, um das Provisorium des Heißluftgebläses abzulösen, den Einbau eines geprüften Lastenaufzuges, annehmbare Räume für das Personal und die museumspädagogische Arbeit bis hin zu Gedanken um die Barrierefreiheit in einem denkmalgeschützten Gebäude.
Stadtmuseum / Jule
Nicht angestrebt wird der weitere Ausbau des BTM zu einem Textilbetrieb. Die Schauwerkstatt zeigt auch heute schon die wesentlichsten Schritte zur Tuchherstellung mit teils historischen Maschinen, die in ihrer Funktion gezeigt werden und auch auf andere Textilstandorte in Brandenburg übertragbar sind. Weitere Großmaschinen stehen in Depots, nicht alle sind zurzeit ausstellbar, und befinden sich nicht wie teilweise angenommen in den oberen Etagen des BTM.
Nicht zu erwarten ist ein landesgefördertes Textilmuseum, auch wenn der Name BTM es so vermuten lässt. Es bleibt eine Einrichtung der Stadt, unterstützt von der Stadt Forst und dem Landkreis Spree-Neiße, aber dennoch über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus als Industriemuseum und Standortmarke bekannt.
Vielleicht wird man es einmal Brandenburgisches Textil- und Stadtmuseum Forst nennen können, wenn die konträren Diskussionen dazu einen tragfähigen Konsens zulassen könnten.
Für den außenstehenden, geschichtsinteressierten Forster Bürger ist es mehr als beschämend, dass es zur Unterbringung der „Schwarzen Jule“ keinen Konsens gibt, obwohl die historische, für Forst einzigartige Lok seit 4 Jahren im Feuerwehrdepot „vorübergehend“ untergebracht ist. Auch die erfolgreiche trockene Kesselprüfung der Lok im November 2016, sicher ein zunächst visionäres Signal, blieb bei mehreren Abgeordneten unbeachtet. Verwunderlich ist dies letztlich nicht, wenn man weiß, dass einer der Abgeordneten die „Schwarze Jule“ für eine „skurrile“ Lok hält, eine Bemerkung höchster Ignoranz, obwohl diese Lok von 1893 bis 1965 nicht nur für die Forster Textilindustrie aktiv war und nach wie vor ein Identitätsobjekt für viele Forster zu ihrer Stadtgeschichte darstellt. Auch Eisenbahnfreunde interessieren sich bundesweit für dieses historische Gefährt. Das ambitionierte Projekt des Ausbaues des BTM Forst mit der vordringlichen Unterbringung der „Schwarzen Jule“ in einer möglichen ersten Bauphase unterbindet in keiner Form andere Projekte der Stadt, wie den Ausbau von Grundschulen oder den Sportstätten am Wasserturm.
Dennoch darf man allen Forster Stadtverordneten danken, die mit Weitsicht und Courage mit dem politischen Mehrheitsbeschluss eine Kultur- und Bildungseinrichtung unserer Stadt entwickeln und aufwerten wollen“.