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Rezension: „Equus“ im Staatstheater Cottbus

Cottbus | Von | 30. Juni 2023

Therapieszene in „Equus“ mit Charlotte Müller als Dysart und Torben Appel als Alan.

Therapieszene in „Equus“ mit Charlotte Müller als Dysart und Torben Appel als Alan. Foto: Bernd Schönbergern: 

Cottbus. Im Spielplan des Cottbuser Schauspiels steht ein Psychothriller von ungeheuerlicher, beklemmender Dichte, der die Zuschauer in grandioser Spielweise von nur acht Personen über drei Stunden in Atem hält. Der Stoff führt an die Grenzen des Ertragbaren und erinnert an Zeiten, als die Leute hier ebenfalls die belletristisch-schöngeistigen Spuren verließen und in den Endachtzigern Antworten in Texten von Helga Königsdorf und angesagten Psychoanalytikern suchten. Auch der britische Dramatiker Peter Shaffer (1926-2016) entdeckte damals auf gesellschaftlicher Fehlersuche schroffe Grenzsituationen und gab ihnen Figuren von fast metaphysischer Größe. Hausregisseur und Co-Schauspieldirektor Philipp Rosendahl hat sie sich jetzt zur Hand genommen, um erneut Endzeit-Fragen zu stellen. Was ist noch aushaltbar an Klüften zwischen Menschen, noch tolerierbar an Individualität. Muss es Kaputtsein geben, um nicht leidenschaftslos „hineinzustrampeln auf seinem Drahtesel in eine Betonlandschaft…“?
Viel, allzu viel scheint es zu verhandeln zu geben an nur einem Theaterabend unter dem Titel „Equus“. Der rätselhafte Begriff meint blinde, verstümmelte Pferde. Eine grausame, sadistische Tat bildet den Hintergrund nicht kriminalistischer, sondern tiefenpsychologischer Aufklä- rung, die einen jungen Täter und sein Umfeld bloßlegt.
Um sich gestochen hat der junge Alan, den trotzig, wirr, ekstatisch und verzweifelt, jedenfalls höchst erschütternd Torben Appel gibt. Eine tief einprägsame verzogene und sexistisch lädierte Figur, der am Ende Mitgefühl zufließt. Regie und Darsteller haben hier große Kunst geliefert und ganz dicht auch diese eisige, des psychologischen Beistands bedürftige Dr. Dysart einbezogen, verkörpert von Charlotte Müller. Markus Paul, Ariadne Pabst, Lisa Schürzenberger, Sophie Bock und Johannes Scheidweiler besetzten die weiteren Figuren. Musikalisch treibt auf der Bühne mit dem Akkordeon Aliksandr Yasinski die Handlung an und voran. Die Bühne stattete Daniel Roskamp sparsam mit Ketten aus und größte Bedeutung kommt der Bewegung (Choreografie Alessia Ruffolo) zu. Nach langer, fast schmerzlicher Stille im Haus brandet zuletzt heftiger Beifall auf. Eine Inszenierung, die nicht schnell aus dem Kopf geht. Gezeigt wird sie wieder ab 18. Oktober. J. Heinrich

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