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Senftenberg: Weit entfernt und nahe

Senftenberg & Seenland | Von | 30. Dezember 2016

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Auch als sie sich begegneten, kamen sie sich zunächst nicht nahe: Andrew (Heinz Klevenow) und Melissa (Sybille Böversen) auf Abstand in „Love Letters“ Foto: J.Heinrich

Klevenow und Böversen lesen „Love Letters“

Senftenberg (hnr.) Briefeschreiben ist eine aussterbende Kultur. Warum die beiden es noch taten, erklären sie gleich zu Anfang:
Andy: “Ich schreibe Dir, weil Du beim letzten Anruf einfach aufgelegt hast. Bei Briefen kann man nicht aufhängen, das ist das Gute.” Darauf Melissa: “Aber man kann sie zerreißen. Anbei die Schnipsel.”
Sie bleiben, mal mehr, mal weniger intensiv, ein halbes Jahrhundert im Briefkontakt, sehen und missverstehen sich, wollen sich lieben aber können nicht, haben schließlich mit über 50 für ein paar Wochen leidenschaftlichen Sex. Da sind die einstigen Kinderfreunde aber gesellschaftlich so weit voneinander entfernt, dass sie auch hierin scheitern. Sie stirbt nach einem Leben in Reichtum, Kunstversuchen und Alkohol, er macht als Schulstreber Karriere bis zum New Yorker Staranwalt und schließlich Senator. Im Nachruf für Melissa bedauert er nur sich selbst; er ist Melissa, die ihn zuletzt liebte und brauchte, immer fern geblieben, fern, einsam und kalt.
Die beiden Schauspieler lesen diese Tragödie in Briefen sehr verhalten, anfangs fast schüchtern. Die Böversen gibt ihrer Melissa, diesem jungen Luder und späteren Trinkerin, etwas Warmes, Unglücklich-Ehrliches. Klevenow wandelt sich vom netten Jungen zum Klassenprimus und Karrieristen. Seine Briefe werden zu politischen Verlautbarungen, und er erhebt sich, wenn er sie deklamiert. Verwunderung auf der anderen Seite, aber unterschwellig reißt trotz zunehmender Verschiedenheit die Zuneigung füreinander nie ab.
Sie tragen dieses Kammerstück einfühlsam vor und werden das Publikum begeistern und rühren. Am ersten Weihnachtsfeiertag war Premiere dieses Stücks, das ein Mann namens Albert Ramsdell Gurney (Jg. 1930) geschrieben hat. Er war Korea-Krieger, dann Lehrer und Dozent. Er schrieb Musicals und andere Stücke und lebt heut in Boston. Seine „Love Letters“ von 1989 eroberten die Theater in der ganzen Welt. Nun auch Senftenberg.



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