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Skepsis beim Windkraftausbau wächst

Region | Von | 3. Juni 2016

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Bereits zwei Tage quer durch Deutschland unterwegs sind diese Rotorblätter aus Nordrhein Westfalen, als die 12 Tonnen schweren und 49 Meter langen Kolosse am frühen Morgen des 26. Mai die Spremberger Innenstadt erreichten. In der Slamer Heide sollen die neuen Anlagen aufgestellt werden Foto: Detlef Bogott

Obwohl die erforderlichen Netze fehlen, will Brandenburg weitere 1 550 Anlagen aufstellen:
Region (mk). Die Brandenburger Landesregierung hat ein großes Ziel. Bis 2030 sollen 80 Prozent des Brandenburger und Berliner Strombedarfs rechnerisch durch Windkraft gedeckt werden. Die Leistung müsste sich im Vergleich zu heute von 5 850 Megawatt auf 10 500 Megawatt nahezu verdoppeln. Zu den 3 460 bestehenden Anlagen kommen so 1550 weitere hinzu.
Die Landtagsfraktion BVB/Freie Wähler bezeichnet dies als Irrsinn und fordert sich zuerst um den Ausbau der Netze und die Entwicklung von Speichertechnologien zu kümmern und dann erst um das Aufstellen von weiteren Anlagen. Wie Stefan Buscher vom Energiedienstleister enviaM auf Nachfrage erklärt, würden die erneuerbare Energien im Land bereits heute rechnerisch zu
109 Prozent den Brandenburger Strombedarf abdecken. „Der Ausbau der Netze hält mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien nicht Schritt“, kritisiert er. Die Folge ist eine Abschaltung der Anlagen. Hierzu wünscht sich der Energiedienstleister eine finanzielle Beteiligung der Windkraftanlagen-Betreiber an den Netzausbaukosten. Das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung in Berlin hat in einer Modellrechnung die Einnahmen eines großen Windrades mit
450 000 Euro im Jahr beziffert. 340 000 Euro sind jährliche Betriebskosten. Der Rest ist Gewinn. Der Stromkunde hingegen zahlt drauf. Brandenburg hat bundesweit die drittmeisten Windräder. Die Netzentgelte liegen in Brandenburg aber deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Das Paradoxe – als Grund nennt Claudia Lippert, eine Sprecherin des Brandenburger Ministeriums für Wirtschaft und Energie die geringe Bevölkerungsdichte und einem damit erhöhtem Netzausbaubedarf. Dabei ist es gerade diese Bevölkerungsdichte die Platz für die Anlagen schafft. In der Forderung nach einer gerechteren Verteilung der Kosten der Energiewende stößt das Land beim Bund bislang auf taube Ohren. Claudia Lippert erteilt der Forderung nach einem Stopp des Windkraftausbaus eine klare Absage. „Ein Ausbaustopp bei den erneuerbaren Energien wird als nicht zielführend eingestuft,“ erklärt sie. Vielmehr soll dieser Ausbau künftig besser gesteuert werden. Staatssekretär Hendrik Fischer bemängelt, dass auf Bundesebene Förderanreize für bezahlbare Speichertechnologien fehlen.
Vor allem das Aufstellen von Anlagen in Wäldern sorgt in der Lausitz für immer mehr Unbehagen. Für ein Windrad werden
0,7 Hektar Waldfläche benötigt, erklärt Claudia Lippert. Eine hierdurch verlorengegangene Waldfläche werde anderswo im Land mindestens im Verhältnis 1:1 ersetzt. Das Volksbegehren Windkraft sammelt bis zum 6. Juli ­Unterschriften gegen Windkraftanlagen im Wald.
Um die Windenergie besser ins eigene Netz integrieren zu können, baut enviaM seine Netze derzeit stark aus, erklärt Stefan Buscher. Die fünf Anlagen des Windparks Eichow II bei Kolkwitz etwa werden am
15. Juni offiziell eingeweiht. Geplant ist sowohl die Gemeinde als auch die Bürger am Windpark zu beteiligen.
Derzeit wird die Energiestrategie 2030 des Landes Brandenburg neu bewertet.



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