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Spremberger sollen mehr Geduld haben

16. September 2016 | Von | Kategorie: Spremberg |

Spremberger sollen mehr Geduld habenDie Spree bleibt noch mindestens fünf Jahre lang braun / Talsperre fungiert weiter als Eisen-Sperre

Spremberg (trz). Rund zehn Millionen Euro investieren die Bergbausanierer von der LMBV Jahr für Jahr in das Projekt „Braune Spree“. Trotz dieser enormen Summe wird sich zumindest in den kommenden Jahren nichts am Erscheinungsbild des Flusses in Spremberg ändern. Fachleute raten den Einheimischen, sich in Geduld zu üben. Das ist der Tenor des Bürgerforums zur braunen Spree, das diese Woche in der „Perle der Lausitz“ abgehalten wurde. Dazu hatte das Aktionsbündnis „Klare Spree“, dem auch die Stadt Spremberg angehört, eingeladen.
Vernünftige Forderung
Dessen Forderungen dürften in den Ohren der meisten Menschen vernünftig klingen: eine Eisenobergrenze im Wasser, die Erstellung eines Sanierungsplans, der Bau von Dichtwänden, um die Spree vor dem einströmenden Bergbauwasser zu schützen – um nur ein paar zu erwähnen. Der Sprecher des Bündnisses, Winfried Böhmer, bezeichnete darüber hinaus das Eisenhydroxid-Problem, das für die Braunfärbung des Wassers verantwortlich ist, als „tickende Zeitbombe“ für Cottbus und den Spreewald. Denn beim nächsten Hochwasser würde die trübe Brühe wohl dutzende Kilometer nordwärts schwappen und in der Niederungslandschaft aus heutiger Sicht möglicherweise unabsehbare Schäden anrichten.
Desaster ab 2,5 mg
2,5 Milligramm gelöstes Eisen je Liter Wasser: Das ist die Grenze, ab der das Desaster sichtbar wird. Oder anders gesagt: Liegen die Werte höher, wird das Wasser brauner. Im Sommer 2016 wurden laut Bergbausaniererin LMBV in Spremberg-Wilhelmsthal 5,56 Milligramm  je Liter gemessen. An der Vorsperre Bühlow waren es noch 2,45 Milliliter, in Bräsinchen 0,49. Der Grund: Durch die neue Bekalkungsanlage an der Cantdorfer Brücke werden Kalk- und Flockungsmittel ins Wasser gegeben. Dadurch können sich die unerwünschten Substanzen in der nahen Vorsperre wesentlich besser absetzen, herausgefischt und deponiert werden. Allein im vergangenen Jahr wurden dort laut LMBV-Fachmann Volkmar Zarach rund 6400 Tonnen Eisenhydroxid-Schlamm aus dem Fluss geholt. Das Ergebnis: Etwa ab der Vogelschutzinsel in der Mitte der Talsperre präsentiert sich das Wasser wieder klar.
Was nun die Spree südlich von Spremberg betrifft, sieht es im wahrsten Sinne des Wortes wesentlich trüber aus. Zwar gibt es inzwischen eine länderübergreifende Zusammenarbeit zwischen Brandenburg und Sachsen, doch der Erfolg dürfte sich erst nach Jahren einstellen. Mehrere Maßnahmen sind bereits umgesetzt, in Bau oder in der Planung. Dazu gehören mobile Wasserbehandlungsanlagen südlich von Neustadt sowie bei Burgneudorf. Mittels Brunnen wird das Spreewasser zur Grubenwasserbehandlungsanlage Schwarze Pumpe abgeleitet, wo es eine Reinigung erfährt. Mittelfristig sollen zwei Rohrleitungen von der Spree zum Lohsaer See (Lohsa II) sowie zum Spreetaler See gebaut werden, um dort die braune Brühe abzuleiten.
Uwe Bergmann vom Brandenburger Landesbergamt betonte, dass es in der Lausitz rund 80 bergbaubeeinflusste Gewässer gibt. Der Aufwand sei daher riesig. „Wir werden nicht alle ganz sauber bekommen“, so der Fachmann.
Riesige Eisenquelle
Sein sächsischer Amtskollege Christof Vogt bezeichnete manche Lösungsansätze des Aktionsbündnisses als „unrealistisch“. So könne es bei-
spielsweise keine eigentliche Behandlung der Eisenquellen geben. Denn diese erstrecken sich innerhalb der Spreewitzer Rinne auf einer Länge von 40 Kilometern auf acht Kilometern Breite. Ebenso seien Dichtwände illusorisch. Allerdings verbreitet Vogt auch Optimismus. So habe der Bund bereits Projekten zur Säuberung der Spree Geld zugesagt, die über das jetzige Abkommen zur Braunkohlensanierung hinausgehen.
Bürger sind skeptisch
Weniger optimistisch zeigten sich allerdings mehrere Bürger während des jüngsten Forums zur Spree. Beklagt wurde unter anderem, dass die Vorsperre zu selten gereinigt werde. Tatsächlich hatte vor dem Jahr 2012 über längere Zeit keine derartige Maßnahme stattgefunden, wie Ellen Peters vom Landesamt für Umwelt einräumte. Der normale Rhythmus betrage zehn Jahre. Inzwischen habe ihre Behörde die Verantwortung über den Umgang mit dem Eisenschlamm übernommen. Was mit diesem Substrat passiert, sei noch unklar, da der Schlamm für die Industrie zu viel organisches Material enthalte. Immerhin, so merkte ein Bürger an, sei die Gesamtproblematik nunmehr auf allen Ebenen angekommen. Und die Hoffnung sterbe bekanntlich zuletzt.




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