Sticker-Aktion macht auf Hilfe bei Partnerschaftsgewalt aufmerksam

Wenn Worte nicht mehr reichen…

Cottbus (MB). Häusliche Gewalt geschieht oft im Verborgenen – und genau dort will die Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg nun ansetzen. Mit einer stadtweiten Sticker-Aktion macht das Team auf sein kostenfreies Beratungs- und Trainingsangebot aufmerksam und ruft Institutionen in Cottbus zum Mitmachen auf. Ziel ist es, das Thema Partnerschaftsgewalt aus der Tabuzone zu holen und Betroffenen wie auch Tätern frühzeitig Wege zur Unterstützung aufzuzeigen.

Im Sommer 2025 wurde das gemeinnützige Projekt bereits mit dem Cottbuser Präventionspreis ausgezeichnet. Jetzt folgt der nächste Schritt: Auffällige Aufkleber mit der Frage „Nicht schon wieder… Kennst du das Gefühl, im Streit mit Worten nicht weiterzukommen?“ werden an Kultur-, Freizeit- und Begegnungsstätten verteilt. Ob in Eingangsbereichen oder auf Gäste-WCs – über einen QR-Code gelangen Interessierte diskret zu Informationen und Kontaktmöglichkeiten.

Der Bedarf ist hoch. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik verzeichnete Cottbus 2024 im Bereich der Partnerschaftsgewalt einen Anstieg der Fälle um 36,4 Prozent – der deutlichste Wert im Land Brandenburg. Für die Fachstelle ist das ein Signal, Prävention sichtbarer zu machen. Gewalt beginne häufig nicht erst mit körperlichen Übergriffen, sondern bereits mit Beleidigungen, Drohungen oder Kontrolle.

Das Angebot richtet sich an Erwachsene, die in ihrer aktuellen oder früheren Partnerschaft Gewalt ausgeübt haben oder befürchten, Grenzen zu überschreiten. In Einzelgesprächen und anschließenden Gruppentrainings lernen die Teilnehmer, Konflikte anders zu lösen und Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Ziel ist es, Gewaltspiralen in Familien dauerhaft zu durchbrechen und damit auch Kinder im Umfeld zu schützen.

Die Beweggründe der bisherigen Teilnehmer reichten vom eigenen Problembewusstsein über den Wunsch des Partners bis hin zu Auflagen von Jugendamt oder Justiz. Insgesamt waren 238 Kinder im sozialen Nahfeld mit betroffen. In Cottbus fanden zwei Gruppendurchläufe statt, weitere sind geplant.

Das Programm, welches nach einer Aufnahmephase mit mindestens fünf Einzelgesprächen in einem Gruppentraining mit 25 Sitzungen à 2 Zeitstunden mündet, ist für die Teilnehmenden kostenfrei und wird über das Ministerium für Gesundheit und Soziales des Landes Brandenburg finanziert. Ausgerichtet am Standard der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt (BAG TäHG) e.V., weisen die Fachkräfte u.a. Hochschulabschlüsse in Sozialpädagogik, Sozialer Arbeit und Psychologie auf und sind weitergebildet im Bereich der Gewaltprävention und Täterarbeit. Träger der Fachstelle Gewaltprävention ist das Berliner Zentrum für Gewaltprävention (BZfG) gGmbH.

Mit der Sticker-Aktion hofft das Team nun auf breite Unterstützung aus der Stadtgesellschaft. Jede Einrichtung, die die Aufkleber sichtbar platziert, setze ein klares Zeichen für gewaltfreie Lebensperspektiven und gegen das Wegsehen.

Wer Hilfe sucht oder sich unverbindlich informieren möchte, kann direkt Kontakt aufnehmen:

Kontakt
Fachstelle Gewaltprävention Brandenburg
Josefine Gabbert &
Norbert Koop
Marienstr. 6 | 03046 Cottbus
T: 0355 8662 8726
M: fachstelle-cb@bzfg.de
W: fachstelle-gewaltpraevention-brandenburg.de

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