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Wiesen wie aus der Kindheit

Spree-Neiße | Von | 25. Mai 2014

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Wer einmal die Gelegenheit bekommt, auf die Rekultivierungsflächen des Tagebaus Jänschwalde zu fahren, wird eine atemberaubende Vielfalt an Kräutern und jungen Bäumen entdecken. Verantwortlich für die selten gewordene Pflanzenvielfalt sind Christina Grätz von Nagola Re und die Leiterin Rekultivierung / Naturschutz bei Vattenfall, Franziska Uhlig-May (v.r.)

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Zwei von zahllosen Kräutern, die auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen und hier üppig gedeihen: Links das Katzenpfötchen, vorn in zartem Rosa die weibliche Pflanze, dahinter mit schneeweißen Blüten die männliche. Rechts die weißblühende Nickende Nelke. Sie sprießt in den angepflanzten Reihen mit Pechnelke, Salbei, Heidegünsel. Ihre Samen verbreiten sich nun schon seit drei Jahren

Die Renaturierungsmethoden von Christina Grätz lassen seltenste Kräuter in Massen erblühen / Mahd, Oberboden und Samenaufzucht für die Kippe
Jänschwalde (ha). Um die Kippenflächen des Tagebaus Jänschwalde zu rekultivieren, gibt es gar nicht genug Saatgut, ganz zu schweigen von der nötigen Artenvielfalt. „Viele Pflanzen, vor allem viele seltene, vermehren sich nicht allein durch den Wind“, sagt die Diplom-Biologin Christina Grätz, Geschäftsführerin der Nagola Re GmbH aus Jänschwalde. Gemeinsam mit Vattenfall hat sie alte Methoden neu zum Leben erweckt, um ganze „Pflanzenpakete“ umzusiedeln beziehungsweise zu vermehren, die sich hier in der sandigen Lausitz perfekt angepasst haben. „Wir nutzen die Samen in der Mahd von Flächen, die besonders reich an wilden Kräutern sind und bringen sie auf den Kippenboden auf. Die kargen Böden bieten sehr gute Bedingungen für die Pflanzen.“ Die ersten Ergebnisse haben nicht nur sie, sondern auch die Rekultivierungsexperten von Vattenfall überrascht: „Die Pflanzen gedeihen hier nicht nur besonders gut, wir haben sogar Arten entdeckt, die wir vorher auf der sogenannten Elternwiese gar nicht registriert hatten. Das kommt daher, weil sich im Boden viele Samen in einer Art Schlummerzustand befinden“, so die Biologin, die ständig auf der Suche nach solchen Elternflächen ist. Fündig wurde sie beispielsweise auf dem Schlagsdorfer Weinberg, in Grießen, bei Pusack und Simmersdorf. „Nicht selten sind die Eigentümer anfangs skeptisch, doch dann finden sie gut, was wir vorhaben. Und sie baten auch, sich die Flächen einmal ansehen zu dürfen, wo ihre Mahd landete. Als wir dann mit ihnen hier ankamen, sagten mehrere: ‘Das sind ja Wiesen wie zu meiner Kindheit!’ Manche waren sogar gerührt.“
Seit 2009 haucht Christina Grätz im Auftrag des Bergbauunternehmens dem Kippenboden Leben ein, in dem sich auch keine Insekten befinden. „Anfangs hatten wir Befürchtungen, dass die Blüten nicht bestäubt werden können, denn ringsherum befinden sich Kippenflächen. Doch wir haben mit der Mahd und auch mit den Oberböden, die wir aus Tagebauvorfeldern stellenweise aufbrachten, Insekten mitgebracht.“ Und so krabbelt es zwischen den Pflanzen, fliegen Hummeln und Bienen über die jungen Wiesen, Schmetterlinge, seltene Arten darunter, flattern umher, und überall zwitschert es in der sonst stillen Wiete. Der Wiedehopf brütet, der Seeadler wird von einem Milan attackiert. Riesig scheint das Rekultivierungsareal, das hier viel Platz zum Testen und Ausprobieren lässt. „Wir haben aber schon so viel Wissen und Erfahrung, dass wir die verschiedenen Verfahren in großem Maßstab realisieren können“, sagt sie. Das gilt für Wiesen ebenso wie für Wälder, die ähnlich „wild“ entstehen können.



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