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Zarter Händedruck, biestige Minen - Märkischer Bote
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Zarter Händedruck, biestige Minen

6. Juni 2014 | Von | Kategorie: Region |

Zarter Händedruck, biestige Minen

Das Schloss Doberlug führte über Jahrzehnte ein trübes Dasein: Es war, von einer Betonmauer und Stacheldraht umhaust, NVA-Kaserne und Werkstatt für Militärtechnik. Für eine symbolische Mark übernahm es vor 20 Jahren die Kommune; Fördermittel ermöglichten heutigen Glanz

Preußen und Sachsen in „Szenen einer Nachbarschaft“ / In Doberlug treffen sich Herrscher, Helden, Künstler, Feldherren, Hofdamen und auch Bohemes
Region (hnr.). Per Bahn fährt man von Cottbus eine knappe, im Auto über Vetschau, Calau und Finsterwalde eine reichliche Stunde nach Doberlug. Der Weg lohnt sich seit gestern besonders: Die erste Brandenburgische Landes(geschichts-)Ausstellung hat eröffnet. Wie Ortsangabe und Titel („Wo Preußen Sachsen küsst – Szenen einer Nachbarschaft“) ist sie locker, unterhaltsam, erfrischend – mit einem Wort: genial konzipiert und aufgebaut.
Fast scheint es, als sei diese Ausstellung vor allem für Cottbuser und Lausitzer gemacht, denn Preußen ging vor 70 Jahren unter, aber der Kottbuser Kreis  war immer brandenburgisch-sächsische Grenzregion. Im gut zwei Kilo schweren Katalog widmet sich ein Kapitel der besonderen Cottbuser Situation als Exklave in sächsischer Lausitz (bis 1815). Soldatisch war das bisweilen brenzlig, im Alltag aber halfen, herzten und liebten sich die Menschen.
Bis in diesen Alltag hinein versucht die Ausstellung der Zeit nach dem 30jährigen Krieg beizukommmen, aber natürlich menschelt er vor allem kurfürstlich bis königlich. Das Titelplakat zeigt die Kurfürsten Johann Georg II von Sachsen und Friedrich Wilhelm von Brandenburg (um 1665) händchenhaltend mit „biestigen Gesichtern“, wie die Kuratorin findet. Irgendwie kurios, aber doch  damals staatsmännisch. Noch bis in die königlichen Zeiten hinein (der Sachse bekam 1797 die polnische Krone, der Preuße setzte sich 1701 selbst eine auf) gab es solche Händchen-Szenen in großformatigem Öl. Zu den bekanntesten dieser Allianzporträts zählt das von Friedrich Wilhelm I. und August dem Starken (1729).
All die bedeutenden Bilder füllen jetzt die Doberluger Schlossräume, übersichtlich in sieben Szenengruppen sortiert und umgeben von Insignien jeweiliger Botschaften. Wer König heißen wollte, musste sich mit Orden und Pracht umgeben. Hier steht die reichlich meterhohe Dragonervase als Leihgabe ebenso wie andere Kostbarkeiten aus den großen Museen Dresdens, Berlins, aus Leipzig, Kamenz oder auch England, Frankreich und Italien. Über 300 Exponante sind es, sagt die Kuratorin und ist dankbar: „Dass die uns anvertraut wurden, obwohl wir doch hier noch gar kein Museum sind, ist beachtlich.“ Das Surren der Klimatechnik bestätigt, dass wertvolles Gut fachgerechte Fürsorge bekommt.
Wer möchte, kann sich für 2 Euro den Audioguide aufs Ohr legen, Gruppen werden in sieben Sprachen geführt. Sächsischen Dialekt oder Berliner Schnauze gibt’s dabei nicht. Im Gegenteil: Sehr vornehm tritt uns im Prolog der eine oder andere Zeitgenosse schauspielerisch dargestellt entgegen. Auch  die fürstliche Lucie aus Branitz  ist dabei, deren Vater Karl August von Hardenberg, Modernisierer preußischer Verwaltung, uns schon in Szene 7, „Heute Sachse, morgen Preuße“, begegnete. Erwachsen müsse sein, wer Politik verstehen will, sagt sie, und: Ihr Lou (das war ihr Kosename für Fürst Pückler) habe einmal zu ihr gesagt: „Als der Herr mich Preuße werden ließ, hatte er sein Antlitz von mir gewandt.“ Und sie fügt hinzu: „Er war der Sachse, ich die Preußin… Naja.“
Schön erzählte Geschichte(n) hier im Schloss von Doberlug.




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